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Europameisterschaften Gewehr/Pistole in Baku (AZE), 21. Juli bis 4. August 2017

Mannschaftsgold am Nationalfeiertag

Gilles Dufaux (links), Jan Lochbihler <br>und Andrea Rossi gewinnen am <br>1. August die fünfte Medaille <br>für die Schweiz an dieser EM.
Gilles Dufaux (links), Jan Lochbihler
und Andrea Rossi gewinnen am
1. August die fünfte Medaille
für die Schweiz an dieser EM.

01.08.2017 - Ein Tessiner, ein Romand und ein Deutschschweizer gewinnen gemeinsam am Nationalfeiertag die Goldmedaille in der Disziplin Standardgewehr 300m Dreistellung. Für Andrea Rossi und Gilles Dufaux ist es die zweite, für Jan Lochbihler gar bereits die vierte Medaille an den Europameisterschaften in Baku.

 

Resultate komplett

 Live-Resultate

 

Resultate Standardgewehr 300m Dreistellung Männer: Einzel, Team

Impressionen: Siegerehrung Standardgewehr 300m Männer, Wettkampf Standardgewehr 300m Männer, Empfang am Flughafen

 

Fast hätten ausgerechnet die Österreicher den Schweizer Gewehrschützen das Privileg weggeschnappt, am Nationalfeiertag die eigene Hymne zu hören. Die drei Schützen aus unserem östlichen Nachbarland und die Schweizer lieferten sich an den Europameisterschaften in Baku während des gesamten Wettkampfs mit dem Standardgewehr 300m Dreistellung ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Goldmedaille. Die drei Österreicher hatten ihr Pensum bereits beendet, als mit Jan Lochbihler und Andrea Rossi noch zwei Schweizer im Schiessstand am Werk waren. Jan Lochbihler erledigte seinen Job und schoss mit zweimal 9 aus. Andrea Rossi hatte noch zwei Schüsse abzugeben – bei drei Punkten Vorsprung auf die Österreicher. Mit dem ersten Schuss traf er die 10. Nun konnte er sich im letzten Schuss eine 8 erlauben. Genau diese geforderte 8 schoss der Tessiner. Ein Meisterschuss, auch wenn er nicht in der Mitte der Scheibe landete. Mit 1711 Punkten holte sich das Schweizer Trio mit Lochbihler, Rossi und Gilles Dufaux die Goldmedaille, einen einzigen Punkt vor den Österreichern. Rang drei ging an die Mannschaft aus Frankreich. Mit dem Tessiner Rossi, dem Romand Dufaux und dem Deutschschweizer Lochbihler waren bei diesem Triumph alle drei Landesteile vertreten. Eine schöne Symbolik für den Nationalfeiertag.

In der Einzelwertung liessen die Schweizer bei ihrem letzten Wettkampf an dieser EM den anderen den Vortritt. Gold ging an den Österreicher Bernhard Pickl vor dem Finnen Juho Kurki und dem Schweden Karl Olsson. Es zeigte sich einmal mehr, was die Stärke der Eidgenossen ausmacht: ein ausgeprägter Teamgeist und eine grosse Ausgeglichenheit. Teamgold lässt deshalb auch darüber hinwegsehen, dass es in der Einzelwertung nicht aufs Podium reichte. Bester Schweizer war Gilles Dufaux. Mit 574 Punkten belegte er den 8. Rang. Jan Lochbihler folgte zwei Ränge dahinter mit zwei Punkten weniger. Rossi klassierte sich mit 565 Punkten auf dem 16. Platz. Bessere Klassierungen vergaben die Schweizer einmal mehr in den Stehend-Passen. Nach den je 20 Kniend- und Liegend-Schüssen lagen alle drei Schweizer noch in den Top Ten, Jan Lochbihler konnte sogar von einer Einzelmedaille träumen.

 

Daniel Burger (links) freut sich mit seinen Athleten Jan Lochbihler, Gilles Dufaux und Andrea Rossi.

 

Daniel Burger, Leiter Bereich Spitzensport im SSV, weiss denn auch, wo er in Zukunft den Hebel ansetzen will. «Wir werden das Stehend-Training nochmals intensivieren», so der Cheftrainer. Auch wenn die eine oder andere Medaille oder Finalqualifikation wegen der Stehend-Schwäche vergeben wurde, hat das SSV-Team das selbstgesteckte Ziel an den Europameisterschaften in Baku erreicht. Fünf Medaillen waren die Marke, die es zu erreichen galt. Diese Marke haben die Schweizer geschafft. Und weil von den fünf Medaillen vier aus Gold waren, lagen die Schweizer am 1. August auf Platz sieben des provisorischen Medaillenspiegels. Noch stehen mehrere Entscheidungen in den Disziplinen Skeet und Running Target aus. Abgeschlossen ist die EM erst am 3. August am Abend.

Erfolgreichster Schweizer Athlet in Baku war Jan Lochbihler. Der Solothurner fährt mit drei Goldmedaillen (Gewehr 300m liegend Einzel, Gewehr 300m Mixed, Standardgewehr 300m Dreistellung Team) sowie einer Silbermedaille (Gewehr 300m Dreistellung Team) nach Hause. Zwei goldene Medaillen im Gepäck hat Andrea Brühlmann (Gewehr 300m Mixed, Gewehr 300m Dreistellung Team). Gold und Silber bringen Gilles Dufaux und Andrea Rossi (Standardgewehr 300m Team, Gewehr 300m Dreistellung Team) zurück in die Schweiz. Einmal Gold haben Silvia Guignard und Myriam Brühwiler (Gewehr 300m Dreistellung Team) erobert. Einziger Wermutstropfen in dieser Bilanz ist die fehlende Medaille in einer Olympischen Disziplin. Ein paar Mal waren die Schweizer nah dran. So wurde der Junior Manuel Lüscher mit dem Gewehr 50m liegend hervorragender Vierter. Den gleichen Platz belegte Marina Bösiger in derselben Disziplin (allerdings ist der Liegendmatch Gewehr 50m bei den Frauen nicht und bei den Männern bald keine Olympische Disziplin mehr). Heidi Diethelm Gerber qualifizierte sich in ihrer Paradedisziplin Pistole 25m souverän für den Final, fand dort aber nicht richtig in den Wettkampf und musste sich mit dem 8. Rang zufrieden geben. Zu Hoffnung Anlass geben die guten Leistungen der Juniorinnen und Junioren sowie der drei Athleten, die in Baku die ersten Qualifikationswettkämpfe für die Youth Olympic Games 2018 bestritten. (van)

 


Berichterstattung vom 31. Juli

 

Silber für das Schweizer Männer-Team

 

Das Schweizer Schützenteam an den Europameisterschaften in Baku hat erneut Grund zum Feiern. Jan Lochbihler, Gilles Dufaux und Andrea Rossi gewinnen im Dreistellungsmatch Gewehr 300m Silber.

 

Resultate Gewehr 300m Dreistellung Männer: Einzel, Team

Impressionen: Gewehr 300m Dreistellung Männer, Siegerehrung Gewehr 300m Dreistellung Männer, Training Standardgewehr 300m, Empfang der Gold-Ladies am Flughafen Zürich

 

Im 300m-Liegendmatch hatte es den Schweizer Männern am 30. Juli nicht zur Medaille gereicht. Verpasstes holten Jan Lochbihler, Gilles Dufaux und Andrea Rossi, der in den Dreistellungswettkämpfen Liegendspezialist Marcel Ackermann ersetzt, tags darauf nach. Die drei Schweizer Gewehrschützen zeigten einen von A bis Z soliden Dreistellungs-Wettkampf Gewehr 300m mit nur ganz wenigen Aussetzern, die aber bei wiederum schwierigen Bedingungen fast allen Schützen passierten. Nach dem goldenen Sonntag folgte der silberne Montag. An den überlegenen Franzosen gab es kein Vorbeikommen. Alexis Raynaud, der auch die Einzelkonkurrenz gewann, Valérian Sauveplane (10.) und Cyril Graff (13.) zogen der Konkurrenz kniend und liegend davon. Von diesem Vorsprung zehrten sie während der 40 Stehend-Schüsse. Weil auch den Schweizern stehend bei weitem nicht alles gelang, holten sie von den zwölf Punkten Rückstand nach 80 Schuss lediglich einen Zähler auf. Das mag Andrea Rossi darüber hinwegtrösten, dass er stehend einen Dreier produzierte. Zur Sache tat dieser nichts, die Franzosen waren zu weit weg, und die Österreicher, die von hinten drückten, mussten ebenfalls die eine oder andere tiefe Wertung in Kauf nehmen. Die Franzosen eroberten sich mit 3472 Punkten die Goldmedaille vor den Schweizern mit 3461 Zählern und den Österreichern mit 3458 Punkten.

 

Die drei Schweizer im Einsatz: vorne Andrea Rossi, direkt danach Gilles Dufaux und zuhinters Jan Lochbihler.

 

In der Einzelwertung blieben die Schweizer ohne Medaille. Jan Lochbihler, tags zuvor noch zweifacher Goldmedaillengewinner, gehörte sowohl kniend als auch liegend zu den Besten und lag auf dem zweiten Zwischenplatz. Stehend schoss er nicht schlecht, aber etwas schlechter als die anderen. Der Franzose Alexis Raynaud hatte die Führung früh übernommen und gab sie nicht mehr her, auch wenn der Ungare Istvan Peni liegend und stehend hervorragend schoss und Punkt um Punkt aufholte. Hätte der junge Ungar kniend nicht einen Nuller geschossen, würde er mit der Goldmedaille nach Hause fahren. 389 Punkte erzielte Peni stehend. Mit seinen 1163 Punkten kam er bis auf vier Zähler an Raynaud heran. Bronze ging mit Peter Sidi ebenfalls an Ungarn. Der Altmeister schoss direkt neben Jan Lochbihler. Lange Zeit lagen die beiden punktemässig gleichauf. Stehend war Sidi etwas besser. Jan Lochbihler blieb mit 1158 Punkten (drei weniger als Sidi) der vierte Rang. Gilles Dufaux erzielte nur zwei Zähler weniger als Lochbihler. Er zeigte eine starke Reaktion auf die nicht ganz geglückte Vorstellung im Liegendmatch. Als Siebter reihte er sich mitten in der Spitzengruppe ein. Gleiches blieb Andrea Rossi wegen des bereits erwähnten Dreiers verwehrt. Mit 1147 Punkten belegte er den 16. Rang. Zumindest in einer Hinsicht waren die Schweizer nicht zu schlagen: Mit 121 Innenzehnern trafen sie die Mouchen mit Abstand am Besten. Jan Lochbihler und Gilles Dufaux verbuchten je 44 Innenzehner – so viele wie kein anderer Schütze.

 

Gilles Dufaux (links), Andrea Rossi und Jan Lochbihler freuen sich über Silber.

 

Trotz der verpassten Einzelmedaille war Daniel Burger, Leiter Bereich Spitzensport, mit seinen Schützlingen sehr zufrieden. «Sie haben sich hervorragend geschlagen», so der Cheftrainer. Für Gilles Dufaux und Andrea Rossi war es einer der ersten Auftritte auf der grossen Bühne. Und angesichts der Tatsache, dass Jan Lochbihler erst seit rund zwei Monaten im 300m-Bereich schiesst, darf sich die bisherige Bilanz mehr als sehen lassen. Das sieht auch Jan Lochbihler so. Er hatte sich nach den emotionalen Momenten vom Vortag auf einen harten Kampf eingestellt. «Ich habe aber schnell das gute Gefühl vom Liegendmatch gefunden», sagt der mittlerweile dreifache Medaillengewinner. Erst in der zweiten Hälfte des Wettkampfs musste der Solothurner beissen. Die letzte Liegend- und die erste Stehend-Passe waren ein einziger Krampf. Gilles Dufaux war mit seinem Wettkampf zufrieden. Er habe seine Leistung abrufen können, so der junge, unbeschwerte Fribourger. Das gleiche gilt für Andrea Rossi – abgesehen vom besagten Dreier, über den sich der Tessiner aber so heftig aufregte wie kein anderer im Schiessstand von Baku. (van)

 

Empfang der Gold-Ladies am Flughafen Zürich

Während die Männer in Baku noch im Einsatz waren, reisten Andrea Brühlmann, Silvia Guignard und Myriam Brühwiler von Baku über Istanbul nach Hause. Am 31. Juli um 18.40 Uhr landete ihr Flugzeug in Zürich-Kloten. Dort war die Spannung bei einer kleinen, aber feinen Ansammlung an Menschen äusserst spürbar. Das Flugzeug mit den erfolgreichen Schweizer EM-Schützinnen an Bord war laut Anzeigetafel schon längst gelandet, sogar 15 Minuten zu früh. Doch wo blieben die drei Goldmedaillengewinnerinnen der Europameisterschaft? Mit grosser Vorfreude wurde gewartet, und dann, um 19.20 Uhr, war es endlich so weit – Silvia Guignard, Andrea Brühlmann und Myriam Brühwiler wurden herzlichst von Famile, Freunden, Bekannten und Fans in Empfang genommen – natürlich inklusive lautstarkem Kuhglockenläuten, wie es sich gehört. Vom SSV-Vorstand hiess Walter Harisberger die Gewinnerinnen willkommen und dankte ihnen in seiner Ansprache für die hervorragende, mit Gold prämierte Leistung und sprach den Stolz des Verbands auf die drei Rückkehrerinnen aus Baku aus. (alp)

 


Berichterstattung vom 30. Juli

 

Dreimal Gold an einem Tag

 

Endlich hat es geklappt: Jan Lochbihler bricht am neunten Wettkampftag den Bann und siegt mit dem Gewehr 300m liegend. Zwei Stunden später legen die Frauen nach: Silvia Guignard, Myriam Brühwiler und Andrea Brühlmann werden Team-Europameister Gewehr 300m Dreistellung. Zu guter Letzt siegen Jan Lochbihler und Andrea Brühlmann im 300m-Mixed-Wettkampf.

 

Dreimal Gold (von links): Jan Lochbihler im Gewehr 300m liegend, das Frauenteam Gewehr 300m Dreistellung mit Myriam Brühwiler, Silvia Guignard und Andrea Brühlmann sowie das Mixed-Duo Gewehr 300m Andrea Brühlmann und Jan Lochbihler.

 

Resultate Gewehr 300m liegend Männer: Einzel, Team
Resultate Gewehr 300m Dreistellung Frauen: Einzel, Team
Resultate Gewehr 300m Mixed: Qualifikation, Halbfinal, Final

Impressionen: Siegerehrung Gewehr 300m Dreistellung Frauen, Siegerehrung Gewehr 300m liegend Männer, Siegerehrung Gewehr 300m Mixed, Gewehr 300m Dreistellung Frauen, Gewehr 300m Mixed, Gewehr 300m liegend Männer, Abseits des Schiessgeschehens

Videos: Siegerehrung Gewehr 300m Dreistellung Frauen, Andrea Brühlmann und Jan Lochbihler im Mixed-Wettkampf, Silvia Guignard und Gilles Dufaux im Mixed-Wettkampf, Andrea Brühlmann im Kampf mit dem Wind Teil 1, Andrea Brühlmann im Kampf mit dem Wind Teil 2, Marcel Ackermann im Liegendmatch Gewehr 300m, Gilles Dufaux im Liegendmatch Gewehr 300m

 

Es geht doch: Lange mussten sich die Schweizer Schützinnen und Schützen gedulden, am neunten Wettkampftag hat das Schweizer Team an den Europameisterschaften in Baku die lang ersehnte, ein paar Mal knapp verpasste Medaille geholt – und das gleich dreifach. Den Anfang an diesem goldenen 30. Juli machte Jan Lochbihler. Der Solothurner zauberte im Liegendmatch Gewehr 300m bei schwierigen Windverhältnissen 598 Punkte hin. Kein anderer Schütze konnte mit Jan Lochbihler mithalten. Am nächsten kamen ihm jene beiden Schützen, die links und rechts von ihm lagen. Der Deutsche Frank Fleischmann wurde mit 595 Punkten und 42 Innenzehnern Zweiter, Bronze ging an den Slowenen Rajmond Debevec mit derselben Punktzahl und 31 Mouchen. Wegen der besseren zweitletzten Passe verwies der Altmeister den Franzosen Rémi Moreno Flores auf den vierten Platz. Überstrahlt wurde das Trio vom Schweizer: Jan Lochbihler erzielte 598 Punkte und 38 Mouchen.

 

Jan Lochbihler holte die erste Schweizer Medaille an den Europameisterschaften in Baku. Es war die Initialzündung für einen goldenen Sonntag.

 

Eine Erlösung: die erste Neun

Dass es Jan Lochbihler für eine Medaille reichen könnte, hatte sich schon im Training abgezeichnet. Der Athlet am Nationalen Leistungszentrum in Magglingen hatte von Beginn an ein gutes Gefühl. «Dieses Gefühl wollte ich in den Wettkampf mitnehmen», so Lochbihler. Das habe geklappt, zumindest in der ersten Hälfte. Nach 30 Schuss und 300 Punkten – kein anderer Athlet blieb so lange makellos – spürte er plötzlich den Druck. «Mir wurde bewusst, dass es heute die Medaille geben kann», so Lochbihler. Der Puls stieg, die Anspannung wurde grösser. Es spricht für Lochbihlers Routine, dass er in diesem Moment eine Pause einlegte, um sich selber zu beruhigen. Weitere 15 Mal traf er darauf die Zehn, bis im 46. Schuss die erste Neun fiel. «Für mich war das seine Erlösung», so der frischgebackene Europameister. Scheinbar unbeeindruckt spulte er sein Programm ab. «Bei den letzten drei Schüssen wurde es aber wirklich schlimm», sagt er. Der Puls habe gerast, die Anspannung sei riesig gewesen. Dieser Anspannung ist wohl auch die Neun geschuldet, mit der Lochbihler seinen Wettkampf beendete. Eine Rolle spielte das nicht: Sein Vorsprung war genügend gross.

 

Rang 6 für das Team

Den beiden anderen Schweizern lief es nicht wunschgemäss. Allerdings mussten sie auf den mittleren Scheiben schiessen, die – das hat sich in den letzten Tagen gezeigt – windtechnisch ein Nachteil sind. Es ist kein Zufall, dass die drei Medaillengewinner auf den Scheiben ganz rechts zu Werke gegangen sind. Dort ist der Wind zumindest etwas ruhiger und berechenbarer. Gilles Dufaux sicherte sich immerhin den Titel als schnellster Schütze. Er hatte sein Programm nach nicht einmal einer halben Stunde beendet. Mit 579 Punkten belegte er den 30. Rang. Etwas besser lief es Marcel Ackermann. Der Gossauer klassierte sich mit 583 Punkten auf dem 23. Platz. In der Teamwertung blieb den Schweizern mit 1760 Punkten der sechste Rang. Auf Bronze fehlten vier Zähler. Gold ging an die Franzosen (1775) vor den Slowenen (1769) und den Deutschen (1764).

 

 

Triumph für das Trio Myriam Brühwiler (links), Silvia Guignard und Andrea Brühlmann im Dreistellungsmatch Gewehr 300m.

 

Gold für das Schweizer Frauen-Team Gewehr 300m Dreistellung

Rund zwei Stunden nach den Männern legten die Frauen nach. Mit einer ausgeglichenen Leistung sicherten sich Silvia Guignard, Myriam Brühwiler und Andrea Brühlmann Gold in der Teamwertung Gewehr 300m Dreistellung. Das Schweizer Trio erzielte 1699 Punkte (46 Innenzehner) und liess damit die zweitplatzierten Polinnen um zehn Zähler hinter sich. Bronze ging an die drei Schützinnen aus der Ukraine. In der Einzelwertung fehlte nur wenig zu einer weiteren Medaille. Silvia Guignard war kniend etwas überhastet gestartet, setzte dann aber zu einem Steigerungslauf an. Liegend erzielte sie 97 und 100 Punkte. Stehend hielt sie ebenfalls mit den Besten mit. Im letzten Schuss hätte sie eine Zehn erzielen müssen, dann hätte es für Bronze gereicht. Doch die Zürcherin schoss mit einer 9 aus. Mit 574 Punkten belegte sie den vierten Rang. Dabei erzielte sie 20 Innenzehner, ex aequo mit der elftplatzierten Polin Karolina Kowalczyk der höchste Wert. Auf dem Podest standen die Österreicherin Franziska Peer (580), die Deutsche Lisa Müller (576) und die Norwegerin Sina Oleane Busk (575). Wie bei den Männern gingen die Medaillen auch bei den Frauen an Athletinnen, die eine Scheibe am rechten Rand zugelost bekommen hatten. Einzige Ausnahme war Lisa Müller. Franziska Peer und Silvia Guignard begannen ihren Wettkampf in der Mitte des Schiessstands, wurden aber zu einem Wechsel gezwungen, nachdem der heftige Wind beim Fundament der 50m-Scheiben einen Rasenteppich gelöst hatte, der in der Folge im Wind flatterte.

Im ersten Moment sass die Enttäuschung bei Guignard tief, dass es (bereits zum zweiten Mal an diesen Europameisterschaften) knapp nicht zu einer Einzelmedaille gereicht hatte. Nach ein paar Minuten fand Silvia Guignard aber ihr Lachen wieder. Teamgold ist eine schöne Ausbeute für das Schweizer Frauentrio, das notabene auf Marina Schnider, die nominell stärkste Schützin, verzichten musste. Auch wenn Silvia Guignard als viertplatzierte Schützin am meisten Punkte zum Teamsieg beitrug, dürfen die Leistungen von Myriam Brühwiler und Andrea Brühlmann nicht geschmälert werden. Die beiden haben sich nach dem missglückten Liegendmatch zurückgemeldet. Brühwiler legte vor allem stehend eine beeindruckende Leistung an den Tag. Mit 189 Punkten war sie zweitbeste Schützin hinter der unangefochtenen Siegerin Franziska Peer aus Österreich. Mit 565 Punkten belegte die Mörschwilerin den 10. Rang. Andrea Brühlmann hatte liegend mit grösseren Problemen zu kämpfen. Sie erzielte «nur» 185 Punkte, weniger als kniend (188) und stehend (187). Die 560 Punkte im Total reichten zum 13. Schlussrang.

 

Andrea Brühlmann und Jan Lochbihler sind Europameister Gewehr 300m Mixed.

 

Das Schweizer Duo gewinnt die Premiere

Zum Abschluss des neunten Wettkampftags an den Europameisterschaften in Baku wurde erstmals der 300m-Mixed-Bewerb durchgeführt. Die Schweiz schickte mit Andrea Brühlmann und Jan Lochbihler sowie Silvia Guignard und Gilles Dufaux zwei Paare in den Wettkampf. Sie traten gegen je zwei Teams aus Österreich und Deutschland sowie ein Duo aus Schweden an. Geschossen wurde stehend. Andrea Brühlmann und Jan Lochbihler legten dabei von Beginn weg die Latte hoch. Sie führten die Rangliste nach der Qualifikation an, in der mit Deutschland 1 das erste Team über die Klinge springen musste. Brühlmann/Lochbihler waren auch in den Halbfinals das beste Team und erzielten mit 190 Punkten acht Zähler mehr als die Konkurrenz. Für Silvia Guignard und Gilles Dufaux bedeuteten die Halbfinals Endstation. Sie hatten einen Punkt weniger auf dem Konto als die viertklassierten Österreicher. Im Final zogen die beiden Schweizer den zwei Teams aus Österreich und den Schweden praktisch mit jedem Schuss davon. Jan Lochbihler schoss in 14 Finalschüssen 136 Punkte. Den letzten Finalschuss hätte der Solothurner in den Himmel von Baku feuern können, so gross war der Vorsprung. Aber Lochbihler schloss standesgemäss mit einer Zehn ab. Die Schweiz hat damit innerhalb eines Tages die Medaillenflaute an den ersten acht Tagen vergessen gemacht. Mit drei Goldmedaillen in einem Tag machten die Schweizer auch im Medaillenspiegel einen grossen Sprung nach vorne. (van)

 


Berichterstattung vom 29. Juli

 

Das Warten auf die Medaillen geht weiter

 

Dem Schweizer Team an den Europameisterschaften in Baku klebt das Pech an den Füssen. Auch im ersten 300m-Wettkampf klappt es nicht mit einer Medaille. Sowohl in der Einzel- als auch in der Teamwertung fehlt nur wenig.

 

Resultate Gewehr 300m liegend Frauen: Einzel, Team

Impressionen: Gewehr 300m liegend Frauen, Gewehr 300m Training

Videos: Andrea Brühlmann, Myriam Brühwiler, Silvia Guignard

 

Grosse Aufregung in der Vorbereitungszeit für den Wettkampf Gewehr 300m liegend: Bei der Österreicherin Olivia Hofmann stimmte etwas mit dem Gewehr nicht, auch die Scheibe hatte offenbar ihre Macken. So kam es, dass direkt neben Andrea Brühlmann eine minutenlange Diskussion und Unruhe losging. Eine ideale Vorbereitung sieht anders aus – sowohl für Olivia Hofmann als auch für Andrea Brühlmann. Besser weggesteckt hat den ganzen Trubel die Österreicherin. Sie begann den Wettkampf nach einem Scheibenwechsel einiges später als ihre Konkurrentinnen und bekam Zusatzzeit, die sie aber gar nicht benötigte. Hofmann spulte ihr Pensum im Eiltempo herunter und erzielte 591 Zähler. Das reichte zur viel umjubelten Silbermedaille hinter der Schwedin Elin Ahlin (594) und vor deren Landsfrau Anna Normann (589). Andrea Brühlmann hingegen geriet am Anfang aus dem Konzept und am Schluss in Zeitnot. Mit 581 Punkten klassierte sie sich auf dem 17. Rang.

Besser lief es Silvia Guignard. Die routinierte Athletin war zwar vor dem Wettkampf sehr nervös, zeigte aber eine solide Leistung. Mit 587 Punkten verpasste die Zürcherin die Bronzemedaille um zwei Zähler. Entsprechend frustriert war sie nach den 60 Schuss. «Ich habe mir selber sehr viel Druck gemacht und mehr von mir erwartet», sagt Guignard. «Mir sind zwei, drei kleine Fehler passiert, und ich habe im falschen Moment Pausen eingelegt. Deshalb gab es den einen oder anderen Neuner zu viel.» Nicht besser erging es Myriam Brühwiler, die als Ersatz für die nicht korrekt gemeldete Marina Schnider einspringen musste. Die Ostschweizerin trug schwer an der Last, die designierte Teamleaderin zu ersetzen. Die Probeschüsse waren zwar hervorragend, im Wettkampf lief es der Mörschwilerin aber nicht rund. Mit 580 Punkten belegte sie den 18. Rang bei 23 startenden Athletinnen. «Ich konnte meine Taktik nur phasenweise umsetzen», erklärt sie. Gut gelungen ist ihr dies in der letzten Passe, als sie 99 Punkte erzielte. «Das gibt Zuversicht für den Dreistellungswettkampf.» Dieser findet am Sonntag, 30. Juli, um 9 Uhr Schweizer Zeit statt.

 

Myriam Brühwiler (links) und Andrea Brühlmann konnten nicht mit den Besten mithalten.

 

Die Schweizerinnen verpassten nicht nur eine Einzelmedaille knapp, auch in der Teamwertung fehlte (nicht zum ersten Mal an dieser EM) nur wenig. 1748 Punkte schossen die drei Schweizerinnen. Dass die überlegenen Schwedinnen und die Deutschen ausser Reichweite lagen, ist nicht überraschend. Doch auch Bronze wurde den Schweizerinnen weggeschnappt: Die drei Estinnen erzielten drei Punkte mehr und freuten sich über Edelmetall. Es ist müssig, darüber zu spekulieren, ob es mit Marina Schnider zur Medaille gereicht hätte. Dem Schweizer Team blieb auch am achten Wettkampftag nur der Frust, dass es einmal mehr knapp nicht gereicht hat. Der Druck auf die Athletinnen und Athleten wird damit noch grösser. Schliesslich will die Schiessnation Schweiz nicht ohne Edelmetall aus Baku heimfahren. (van)

 


Berichterstattung vom 28. Juli

 

Achter Rang für Heidi Diethelm Gerber

 

Nichts wurde es mit der Medaille: Nach der souveränen Qualifikation konnte Heidi Diethelm Gerber im Final nicht ganz mithalten. Sie schied mit 7 von 20 möglichen Treffern als erste Finalistin aus und wurde mit der Pistole 25m Achte an den Europameisterschaften in Baku. Eine beeindruckende Leistung zeigte auch Sandra Stark: Die Ostschweizerin verbesserte sich im Schnellfeuer-Teil der Qualifikation um sieben Plätze und belegt den 24. Schlussrang.

 

Resultate Pistole 25m Frauen: Final, Qualifikation
Resultate Gewehr 10m Juniorinnen YOG: Qualifikation, Final
Resultate Pistole 10m Juniorinnen YOG: Qualifikation, Final

Impressionen: Pistole 25m Frauen Qualifikation, Pistole 25m Frauen Final, Gewehr 10m Juniorinnen Qualifikation YOG, Gewehr 300m Training, Pistole 10m Juniorinnen Qualifikation YOG

Video: Heidi Diethelm Gerbers 50er-Serie, Sandra Stark in der Qualifikation Pistole 25m, Andrea Rossi im 300m-Training

Medien: Heidi Diethelm Gerbers Finalauftritt auf srf.ch

 

«Ich war zu verkrampft.» Heidi Diethelm Gerber betrieb nach dem Final Pistole 25m an den Europameisterschaften in Baku Ursachenforschung, wieso es «nur» zu Rang 8 gereicht hat. Schon in der Probeserie habe sie die Scheibe nicht wie gewünscht getroffen, so die Thurgauerin. Mindestens eine 10.2 müssen die Finalistinnen schiessen, damit der Schuss als Treffer gilt. Wer am wenigsten Treffer auf dem Konto hat, scheidet nach einer gewissen Anzahl von Schüssen aus. In der Finalhalle von Baku traf es Heidi Diethelm Gerber als Erste. In der ersten Serie konnte sich Diethelm Gerber nur einen Treffer gutschreiben lassen. Wer einigermassen dabei sein will, sollte sicher dreimal eine 10.2 oder höher treffen. «Es hat nicht angehängt», erklärt sie. «Danach war es ein Geknorze. Ich habe zu stark mit Kraft geschossen und vielleicht zu viel gewollt.» So kam es, dass die Märstetterin zuschauen musste, wie Monika Karsch sich mit egalisiertem Weltrekord überlegen die Goldmedaille vor der Polin Klaudia Bres und der Bulgarin Maria Grozdeva sicherte. Obwohl Heidi Diethelm Gerber mit der Finalqualifikation ihr selbst gestecktes Ziel erreicht hat, ist sie mit dem Final nicht wirklich zufrieden. «Der Final passt zur ganzen Saison. Mir wurde dieses Jahr nichts geschenkt, es war ein ständiger Krampf.» Im vergangenen Jahr war das noch anders: In Rio durfte sie auch ein bisschen auf Fortuna zählen, dieses Jahr stand die Glücksgöttin nicht an ihrer Seite. Trotz des nicht optimalen Finals ist Heidi Diethelm Gerber mit den Europameisterschaften in Baku zufrieden. «Auf meiner Leistung in der Qualifikation lässt sich aufbauen. Das gibt mir ein gutes Gefühl.»

 

Heidi Diethelm Gerber startete schlecht in den Final und konnte danach kaum mehr Boden gut machen.

 

Eine Serie sorgt für Nervenkitzel

In der Qualifikation lief es tatsächlich rund, auch wenn es Heidi Diethelm Gerber wieder einmal spannend machte. Meist trifft sie zu Beginn die Scheiben nicht ganz nach Wunsch. So beispielsweise am 27. Juli im Präzisionsteil der Qualifikation mit der Pistole 25m. Mit ihren 47 Punkten in der ersten Passe geriet sie bereits in Zugzwang. Tags darauf im zweiten Teil der Qualifikation war dies für einmal anders. Heidi Diethelm Gerber legte im Schnellfeuer los wie die Feuerwehr und zauberte 50 Punkte auf die Scheibe. Und im gleichen Stil ging es weiter: Es folgten 48, nochmals 50 und in der vierten Serie 49 Zähler. Damit hatte Heidi Diethelm Gerber sogar die Führung im Zwischenklassement übernommen. Fast schien es, als ob es ihr ganz oben nicht wohl ist. Vielleicht lag es auch daran, dass just in diesem Moment Daniel Burger, Leiter Bereich Spitzensport im SSV, die Schiesshalle betrat. Jedenfalls lief ihr die fünfte Serie gar nicht nach Wunsch: Ein Zehner, drei Neuner und gar ein Achter sind nicht das, was Heidi Diethelm Gerber von sich selber erwartet. Doch die Thurgauerin bewies wieder einmal, dass sie Nerven wie Drahtseile hat. Mit 50 Punkten in der sechsten und letzten Serie liess sie keine Zweifel aufkommen, dass sie zu den besten acht Pistolenschützinnen Europas und damit in den Final gehört. Mit 584 Punkten klassierte sie sich auf dem sechsten Rang.

 

Sandra Stark schliesst ihre ersten Titelwettkämpfe auf dem 24. Rang ab.

 

Einen beeindruckenden Wettkampf zeigte auch Sandra Stark. Nach dem Präzisionsteil war sie mit sich selbst noch nicht ganz zufrieden. Mit 282 Punkten lag sie auf dem 31. Zwischenrang. Im zweiten Teil der Qualifikation drehte Stark auf: Sie schoss bis zur fünften Serie sehr konstant (48/48/48/49/49) und zeigte erst in der letzten Serie etwas Nerven. Sie schoss mit 46 Zählern aus. Ihre 570 Punkte im Total reichten für den 24. Schlussrang. Angesichts der Tatsache, dass dies erst der zweite grosse internationale Wettkampf für die Ostschweizerin ist, darf sie sehr zufrieden sein. Sandra Stark hat einmal mehr bewiesen, dass sie für höhere Aufgaben bereit ist und dereinst in die Fussstapfen von Heidi Diethelm Gerber treten kann. Dabei hatte sie sich zu Beginn nicht richtig wohl gefühlt: «Ich habe in der ersten Serie gezittert», sagt sie. Doch ihre Nervosität hat sie gut weggesteckt. Die 48 Punkte gaben ihr die nötige Sicherheit. Die Schreinerin wirkte danach extrem ruhig und souverän – mit den bekannten positiven Auswirkungen auf ihr Resultat.

 

Gute Leistungen von Sarina Hitz und Anna Bastian

Ihren Wettkampf absolviert hat am 28. Juli auch Sarina Hitz. Die junge Thurgauerin trat im Qualifikationswettkampf für die Youth Olympic Games 2018 in Buenos Aires mit dem Luftgewehr an. Die besten drei Athletinnen (aus verschiedenen Ländern) erhalten einen Quotenplatz für die Spiele. Um überhaupt im Rennen zu bleiben, ist eine Finalqualifikation unabdingbar. Diese Hürde war für Sarina Hitz zu hoch. Mit 406.1 Punkten und Rang 28 zeigte sie eine gute Leistung, auf einen Finalplatz fehlten aber mehr als sieben Punkte. 413.2 Zähler waren nötig, um zu den besten Acht zu gehören. Ein sehr hohes Resultat für Juniorinnen mit Jahrgang 2000 und jünger. Qualifikationssiegerin Anna Janssen aus Deutschland erzielte gar phänomenale 420.6 Zähler. Der Elite-Schweizerrekord, aufgestellt Ende 2016 von Nina Christen, liegt bei 420.1 Punkten.

 

Sarina Hitz (links) und Anna Bastian haben sich in Baku wacker geschlagen.

 

Rund zwei Stunden nach Sarina Hitz war mit Anna Bastian das zweite Nachwuchstalent im Einsatz. Anna Bastian versuchte, mit der Luftpistole einen Quotenplatz für die Youth Olympic Games 2018 zu ergattern. Die junge Romande zeigte einen konstanten Wettkampf mit nur wenigen Dämpfern und erzielte 367 Punkte. Das reichte für den achtbaren 16. Rang. Fürs Finale wären fünf Punkte und ein paar Innenzehner mehr nötig gewesen. Bastian hat aber gezeigt, dass sie grosses Potenzial hat. Zudem wird sie von einem gesunden Ehrgeiz angetrieben. Auf die Frage, ob sie mit ihrem Wettkampf zufrieden sei, antwortet sie prompt und prägnant: «Non.» Trainerin Claudia Loher relativiert das klare Nein. «Anna hat während des gesamten Wettkampfs gut gearbeitet. Deshalb darf sie zufrieden sein.» Für die Fribourgerin war es einer der ersten Wettkämpfe auf dieser Stufe. Andere Athletinnen hatten weit mehr Routine. Diese wird sich Anna Bastian in den nächsten Jahren noch holen. (van)

 

 


Berichterstattung vom 27. Juli

 

Schweizer Frauen gehen leer aus

 

Die Bilder glichen sich: Wie die Männer tags zuvor kämpften auch die drei Schweizer Gewehrschützinnen an den Europameisterschaften im Dreistellungsmatch mit ihrer Stehendstellung. Kniend und liegend waren Nina Christen, Vanessa Hofstetter und Marina Bösiger auf Augenhöhe mit der Konkurrenz, stehend hingegen verloren sie den Anschluss. Beste Schweizerin wurde Nina Christen auf Rang 22. Auch die Juniorinnen schossen den Dreistellungsmatch – mit demselben Resultat. Valentina Caluori – zwischenzeitlich auf Rang 3 klassiert – verlor stehend an Boden und schloss den Wettkampf als beste Schweizerin auf dem 17. Rang ab. Für den Lichtblick des Tages sorgte Heidi Diethelm Gerber.

 

Resultate Gewehr 50m Dreistellung Frauen: Final, Qualifikation, Team
Resultate Gewehr 50m Dreistellung Juniorinnen: Final, Qualifikation, Team
Resultate Pistole 25m Frauen: Qualifikation (1. Teil)

Impressionen: Gewehr 50m Dreistellung Frauen, Gewehr 50m Dreistellung Juniorinnen, Pistole 25m Frauen Qualifikation, Pistole 10m YOG, Impressionen

Videos: Nina Christen, Heidi Diethelm Gerber, Sandra Stark

 

In der Stehendstellung genügen die Schweizer Schützinnen und Schützen derzeit den Anforderungen nicht: Wie schon die Männer am 26. Juli verloren tags darauf auch die Frauen zu viele Punkte auf die internationale Konkurrenz. Es schien fast, als liefe im 50m-Stand in Baku eine Wiederholung des Films vom Vortag. Wie Jan Lochbihler lag auch Nina Christen nach den je 20 Kniend- und Liegendschüssen auf Finalkurs. Doch stehend passte es plötzlich nicht mehr. Sie habe sich gut gefühlt, sagt Nina Christen. «Aber ich hatte grosse Probleme mit dem Timing.» Die Schüsse seien entweder zu früh oder zu spät weg. So schlichen sich zu viele Neuner und Achter ein. Von einem Platz unter den besten Acht rutschte sie auf den 22. Platz ab. Die 182 Punkte stehend (572 total) genügen international nicht. Ärgerlich seien vor allem die zwei Achter in den letzten beiden Schüssen, so Christen. Hätte die Nidwaldnerin sauber ausgeschossen, wäre zumindest ein Rang in den Top 15 herausgekommen. Auch Marina Bösiger kämpfte im Stehendanschlag mit dem Timing. Ein Materialproblem warf sie schon zu Beginn des Wettkampfs aus der Bahn. «Ich habe mich zu stark auf den Wind und zu wenig auf meine Arbeit konzentriert», so die Solothurnerin. Mit 565 Punkten belegte sie den 42. Rang. Zwei Plätze und einen Punkt besser besser schloss Vanessa Hofstetter den Wettkampf ab. Sie hat wie die Männer diesen Frühling ihre Stehendstellung angepasst. Was sich langfristig ausbezahlen soll, hat sich kurzfristig gerächt. «Mir fehlt noch die Sicherheit», erklärt die Bernerin. Die durchzogenen Leistungen der drei Eidgenossinnen wirkten sich auch auf das Teamergebnis aus. In der Nationenwertung blieb der Schweiz der 14. Rang. Gold ging an Grossbritannien vor der Ukraine und Frankreich. Aus Grossbritannien stammt auch die Einzelsiegerin: Seonaid McIntosh siegte in einer spannenden Entscheidung vor der Österreicherin Franziska Peer und der Deutschen Jolyn Beer. Damit blieben die Einzel-Goldmedaillen mit dem Kleinkalibergewehr in einer Familie. Seonaid ist die jüngere Schwester von Jennifer McIntosh, die den Liegendmatch für sich entschieden hatte. Jennifer belegte im Dreistellungswettkampf den fünften Rang.

 

Vanessa Hofstetter (links) und Marina Bösiger (mit Trainerin Oriana Scheuss) wissen, weshalb es im Dreistellungsmatch nur zu den Rängen 40 und 42 gereicht hat.

 

Juniorinnen: Drei Punkte fehlen für den Final

Die Juniorinnen absolvierten kurz nach den Frauen ebenfalls den Dreistellungsmatch Gewehr 50m. Beste Schweizerin war Valentina Caluori. Die Bündnerin zeigte kniend (192) und liegend (198) ihre grosse Klasse. Zwischenrang 3 nach zwei Drittel des Programms liessen hoffen. Doch ihr passierte dasselbe wie Nina Christen keine zwei Stunden zuvor: Stehend startete sie mit einer Acht und zwei Sieben. Zwar fing sie sich noch etwas, zu mehr als 566 Punkten (176 stehend) und Rang 17 reichte es nicht. Besonders ärgerlich: Drei Punkte mehr und Valentina Caluori wäre im Final mit dabei gewesen. «Ein Finalplatz wäre schön gewesen», ärgerte sie sich im Nachhinein. Sie sah aber auch das Positive. Insbesondere mit ihrer Liegend-Leistung war die Bündnerin sehr zufrieden. Die beiden anderen Schweizerinnen folgen auf den Rängen 38 und 39, beide mit 558 Punkten. Chiara Leone konnte sich nach dem verkorksten Auftritt im Liegendmatch rehabilitieren. Sie zeigen einen sehr soliden Wettkampf. «Heute hatte ich den Wind im Griff», sagt die Aargauerin. «Dafür habe ich sonst ein paar Fehler gemacht.» Muriel Züger begann kniend hervorragend, fiel dann aber aus dem Rhythmus. «Das gute Gefühl war plötzlich weg», sagt sie. Das Resultat: eine 86er-Passe, die sie weit zurückwarf. Doch Muriel Züger gab nicht auf, zeigte liegend einen sehr guten und stehend einen ihren Erwartungen entsprechenden Wettkampf. In der Teamwertung blieb der Schweiz der 12. Rang. Gold ging an Norwegen vor Russland und Österreich. Die Einzelgoldmedaille sicherte sich die Ukrainerin Anna Ilina, die mit 453.8 Punkten den Junioren-Europarekord egalisierte. Silber ging an die Norwegerin Jenny Stene, Bronze an die Serbin Milica Babic.

 

Chiara Leone (links) erlebte einen versöhnlichen Abschluss der EM, Valentina Caluori (Mitte) haderte wegen des verpassten Finals und Muriel Züger startete sehr gut, verlor aber plötzlich ihr «gutes Gefühl».

 

Heidi Diethelm Gerber ist auf Finalkurs

Für den Lichtblick des Tages sorgte Heidi Diethelm Gerber. Die Olympiabronzemedaillengewinnerin zeigte in ihrer Paradedisziplin Pistole 25m einen starken ersten Teil der Qualifikation. In der Präzision erzielte sie 292 Punkte (10 Innenzehner) und liegt damit sehr gut im Rennen für einen Finalplatz. Der Auftakt gelang ihr dabei nicht optimal. Nach zwei Neunern zum Start und 47 Punkten in der ersten Passe, sei sie bereits unter Zugzwang gewesen. Doch Heidi Diethelm Gerber braucht das offenbar. Sie fand immer besser in den Wettkampf. «Ich habe an Roger Federer gedacht», sagt sie. «Der schlägt auch nicht immer perfekt auf, macht aber auch immer wieder ein Ass.» Und das machte auch Heidi Diethelm Gerber – in Form von zweimal 50 Punkten in den passen vier und fünf. Sandra Stark, die zweite Schweizerin im Pistolen-Wettkampf, zeigte eine achtbare Leistung. Mit 282 Punkten liegt sie auf dem 31. Zwischenrang. Ganz zufrieden war sie damit nicht. Sie habe zwar gute Phasen gehabt, habe aber auch schlechte Schüsse einstecken müssen. So beispielsweise am Ende der fünften Passe, die sie mit einer Sieben ausschoss, weil sie unter Zeitdruck geraten war. (van)

 

Heidi Diethelm Gerber (links) schoss ganz vorne mit, Sandra Stark sieht für den zweiten Wettkampfteil noch Verbesserungspotenzial.

 

 


 

Berichterstattung vom 26. Juli

 

Schweizer verlieren die Windschlacht

 

Kniend und liegend konnten Jan Lochbihler, Simon Beyeler und Christoph Dürr im Dreistellungsmatch Gewehr 50m an den Europameisterschaften gut mit der Konkurrenz mithalten. Stehend verloren sie im tückischen Wind von Baku den Faden. Als 21. ist Jan Lochbihler der beste Schweizer.

 

Resultate Gewehr 50m Dreistellung Männer: Final, Qualifikation, Team

Impressionen: Gewehr 50m Dreistellung Männer, Pistole 25m Frauen PET, Gewehr 50m Dreistellung Frauen PET, Gewehr 50m Dreistellung Juniorinnen PET

Video: Valentina Caluori im Training

 

Wer den Schweizern am Dreistellungsmatch in der 50m-Anlage von Baku zugeschaut hat, bekam fast Mitleid. Die drei Eidgenossen mühten sich, kämpften wacker und liessen nichts unversucht. Trotzdem konnte keiner aus dem Trio im Stehend-Anschlag mit den Besten mithalten. Dabei hatte alles so gut begonnen: Jan Lochbihler, Simon Beyeler und Christoph Dürr begannen allesamt ansprechend, ja sogar richtig gut. Das gilt insbesondere für Jan Lochbihler: Mit 385 Punkten kniend und 394 Punkten liegend gehörte er zur absoluten Spitze. Wäre der Wettkampf nach den ersten 80 Schuss beendet gewesen, wäre Lochbihler im Final mit dabei gewesen, Simon Beyeler hätte sich über eine Klassierung um Rang 15 herum freuen dürfen und Christoph Dürr wäre mit einem Platz im hinteren Mittelfeld nach Hause gefahren – und der Erkenntnis, dass nicht mehr allzu viel zur absoluten Spitze fehlt.

 

Jan Lochbihler hatte stehend grosse Schwierigkeiten.

 

Doch ein Dreistellungsmatch geht über 120 Schuss, wobei die 40 letzten im Stehend-Anschlag die schwierigsten sind. In dieser letzten Wettkampfphase gibt es denn auch viele Verschiebungen im Klassement. Das war in Baku noch extremer als sonst üblich: Der Wind fegte nicht nur durch den Schiessstand, sondern auch durchs Klassement. Für die Schweizer blies er leider in die falsche Richtung. Jan Lochbihler spülte es von den Top 5 zurück auf Rang 21. Das Unglück zeichnete sich bereits nach drei Stehend-Schüssen ab: Auf zwei Neuner zum Anfang folgte ein Sechser. Zwar fing er sich nach den 88 Punkten in der ersten Passe etwas auf. Das Total von 1144 Punkte reichte aber nicht aus, um ein Wörtchen um die Finalplätze mitzureden. Nicht besser erging es Simon Beyeler: In der ersten Stehend-Passe konnte er sich nur 86 Punkte aufs Konto schreiben lassen. Auch er steigerte sich zwar. Zu mehr als 1132 Zählern und Rang 41 reichte es aber nicht. Am schlimmsten traf es Christoph Dürr. Der Jüngste und Unerfahrenste im Team konnte sich stehend nur 354 Punkte ergattern. Mit 1118 Zählern belegte er den 56. Rang.

 

Simon Beyeler war insbesondere mit seinem Kniend-Wettkampf zufrieden, mit seinen Stehend-Passen weniger: «Hier muss ich über die Bücher.»

 

Die Musik machte bei schwierigsten Bedingungen jener Schütze, der schon im Liegendmatch demonstriert hatte, wie man mit dem Wind in Baku umgehen muss. Der Weissrusse Yury Shcherbatsevich dominierte die Qualifikation mit 1165 Punkten deutlich. Im Final (ohne Wind) setzte er seinen Lauf fort. Shcherbatsevich sicherte sich die vierte (!) Goldmedaille an diesen Europameisterschaften. Der Weissrusse gewann sowohl im Einzel als auch im Team alle 50m-Disziplinen. Silber ging an den Ukrainer Serhiy Kulish, über Bronze durfte sich der Österreicher Alexander Schmirl freuen. In der Teamwertung sicherte sich Norwegen hinter Weissrussland Silber, Bronze ging an das Trio aus Deutschland. Den Schweizern blieb der zwölfte Rang.

 

Ein Wettkampf zum Vergessen: Christoph Dürr sparte nach seinen 1118 Punkten nicht mit Selbstkritik.

 

Hoch anzurechnen ist den Schweizern, dass sie sich – kaum war der Wettkampf vorbei – der Ursachenforschung und der Fehleranalyse widmeten. Dass es die Schweizer im Stehend-Anschlag im wahrsten Sinn des Worts «verblasen» hat, erklärt Cheftrainer Daniel Burger mit Technikanpassungen im Frühling. «Wir haben die Stehend-Stellung bei allen Schützen verändert. Es braucht Zeit, bis sich das gefestigt hat», so Burger. «Bei schwierigen Bedingungen wie hier in Baku rächt es sich, wenn die Automatismen noch nicht perfekt sitzen.» Der Schütze muss sich noch zu stark auf seine Technik konzentrieren und vernachlässigt dadurch zwangsweise die äusseren Bedingungen. Die Einschätzung des Trainers bestätigt Jan Lochbihler: «Bei guten äusseren Bedingungen wäre heute ein Finalplatz drin gelegen», sagt er. «Doch äussere Störfaktoren wirken sich extrem aus, wenn die Schusstechnik noch nicht im Unterbewussten einfach so funktioniert. Heute hat der Wind den Rhythmus vorgegeben, nicht ich.» Am eingeschlagenen Weg zweifeln weder Athlet Lochbihler noch Trainer Burger: «Auf lange Sicht ist es richtig, das System zu ändern», sagt Jan Lochbihler. «Ich schiesse heute dank der neuen Technik bereits viel entspannter und benötige weniger Energie. Das wird sich in Zukunft ausbezahlen.» Auch Daniel Burger will trotz der empfindlichen Niederlage nach vorne blicken: «Verantwortung übernehmen heisst, nach Lösungen zu suchen, Wege für eine erfolgreiche Zukunft zu finden. Deshalb ist nicht das heutige Resultat wichtig, sondern das, was wir daraus machen.» (van)


Berichterstattung vom 25. Juli

 

Zwei Punkte fehlen für den Final

 

Manuel Lüscher belegt im Dreistellungswettkampf Gewehr 50m den guten 13. Rang. Zwei mickrige Punkte mehr hätten gar für den Final gereicht. Ohne Finalchancen waren die beiden anderen Schweizer sowie Pistolenschütze Sandro Loetscher.

 

Resultate Gewehr 50m Dreistellung Junioren: Final, Qualifikation, Team
Resultate Olympische Schnellfeuerpistole 25m Männer: Final, Qualifikation

Videos: Sandro Loetscher (01), Sandro Loetscher (02)

Impressionen: Gewehr 50m Dreistellung Junioren, Training Gewehr und Pistole

 

 

Wie schon im Liegendmatch war erneut Manuel Lüscher der beste Schweizer Junior an den Europameisterschaften in Baku. Lüscher begann kniend zwar verhalten, schlug aber in der dritten und vierten Passe zu: Mit 100 und 97 Punkten holte er Rang um Rang auf und lag in der Zwischenrangliste gar auf dem Podest. In den vier Liegendpassen verlor der Nidwaldner zwar ein paar Punkte, noch war aber alles möglich. Zu Beginn der Stehendpassen meldete Lüscher denn auch seine Finalambitionen an. Er setzte seinen Lauf fort – bis zum 90. von 120 Schuss. Auf der Anzeigetafel leuchtete eine Sechs auf. Wäre es bei diesem einen Aussetzer geblieben, hätte sich Lüscher auf einen zweiten Final an den Europameisterschaften freuen können. Doch nach einer kurzen Pause fand er den Rhythmus nicht mehr. Es schlichen sich zu viele Achter und Neuner ins Schussbild ein. 1140 Punkte hatte Lüscher am Schluss auf dem Konto. Das reichte zum 13. Rang. Nur zwei Punkte mehr hätten dem Ennetbürgener gereicht, um im Final dabei zu sein. Entsprechend enttäuscht war Lüscher nach dem Wettkampf. «Ich war bereit», sagt er. «Nach der 100er-Passe kniend war ich zuversichtlich, dass es mit dem Final klappen wird.» Statt in der Finalhalle mitzuschiessen, musste er zusehen, wie der Tscheche Filip Nepejchal den Final mit 452.0 Punkten deutlich vor dem Ungaren Zalan Pekler und dem Russen Andrei Golovkov gewann.

 

Sven Riedo trat an seinen ersten Titelwettkämpfen ohne Nervosität an.

 

Einen den Erwartungen entsprechenden Wettkampf zeigten Christian Alther (Grub SG) und Sven Riedo (St. Ursen FR). Der Fribourger Riedo verlor wie Lüscher stehend zu viele Punkte und vergab damit eine Platzierung unter den besten Zwanzig. Riedo belegte mit 1132 Punkten letztlich den 25. Rang. «Ich hatte zu viele schlechte Phasen und habe zu wenig schnell darauf reagiert», analysiert Riedo. Trotzdem seien seine ersten Titelwettkämpfe eine gute Erfahrung gewesen. «Ich bin das nächste Mal gerne wieder dabei», sagt er und lacht. Christan Alther folgte mit zwei Punkten weniger als Riedo auf dem 30. Platz. Der Sankt Galler schoss einen konstanten Wettkampf und war stehend mit 376 Punkten der beste Schweizer. Für ihn war die EM insofern speziell, als er lange zum Zuschauen verdammt war. «Ich bin mir das schon gewohnt von anderen Titelwettkämpfen», relativiert er. «Es ist wichtig, in der Zeit ohne Wettkampf aktiv zu bleiben, zu trainieren, sich mental vorzubereiten.» Bereit sei er gewesen, der Wind habe das Schiessen aber sehr anspruchsvoll gemacht. «Ich konnte kniend und liegend wie angestrebt einen hohen Rhythmus halten, um genügend Zeit für die Stehend-Passen zu haben», erklärt er die Tatsache, dass er stehend zu den besten Athleten im Feld gehörte. In der Teamwertung reichte es dem ausgeglichen schiessenden Schweizer Team zum sechsten Platz. Mit 3402 Punkten verloren sie lediglich 18 Punkte auf die drittplatzierten Finnen.

 

Sandro Loetscher, beobachtet von Trainer Matthias Hahn.

 

Trotz einer Steigerung im Vergleich zum ersten Tag blieb Sandro Loetscher (Gelterkinden) mit der Olympischen Schnellfeuerpistole ohne Finalchance. Im ersten Teil der Qualifikation am 24. Juli schoss er in den sechs Serien ein Total von 284 Punkten. Das reichte zum 18. Zwischenrang. Um noch auf einen der sechs Finalplätze vorzustossen, hätte er im zweiten Teil nahe am Maximum von 300 Punkten schiessen müssen. Eine Aufgabe, die kaum zu bewältigen war, auch wenn er wie schon am Vortag mit 50 Punkten in der ersten Serie optimal startete. Mit 288 Punkten konnte er sich sowohl punkte- als auch rangmässig steigern. «Es war besser als gestern», sagt denn auch Loetscher. «Zufrieden bin ich vor allem mit dem Start. Die Lockerheit habe ich leider nicht mitnehmen können. Stattdessen fühlte es sich an, als hätte ich einen Vibrator im Arm.» Mit 572 Punkten im Total belegte er den 17. Schlussrang. Neuer Europameister wurde Nikita Sukhanov (RUS) vor Peeter Olesk (EST) und Christian Reitz. Der Deutsche hatte die Qualifikation dominiert, musste sich im Final aber geschlagen geben. (van)

 


Berichterstattung vom 24. Juli

 

Marina Bösiger fehlen zwei Punkte für Bronze

 

Knapper geht's nicht: 613.5 Punkte hat Marina Bösiger im Liegendmatch Gewehr 50m der Frauen bei schwierigsten Verhältnissen geschossen. 0.2 Punkte mehr hätten für Europameisterschafts-Bronze gereicht. Stattdessen muss sie mit dem vierten Platz vorlieb nehmen.

 

Resultate Gewehr 50m liegend Frauen: Einzel, Team
Resultate Gewehr 50m liegend Männer: Final, Qualifikation, Team
Resultate Gewehr 50m liegend Juniorinnen: Einzel, Team

 

Impressionen: Gewehr 50m liegend Frauen, Gewehr 50m liegend Juniorinnen, Gewehr 50m liegend Männer, OSP 25m Männer Quali 1. Teil

 

Nach Manuel Lüscher am Vortag holte die Schweiz an den Europameisterschaften in Baku am 24. Juli die zweite lederne Medaille. Die Solothurnerin Marina Bösiger zeigte bei tückischen Windverhältnissen mit dem Kleinkalibergewehr einen hervorragenden Liegend-Wettkampf. 613.5 Punkte hatte sie am Schluss auf dem Konto. Angesichts der Bedingungen ein sehr gutes Resultat – aber nicht gut genug für Edelmetall. Die Schwedin Maria Enquvist benötigte im letzten Schuss eine 10.2, um an Bösiger vorbeizuziehen. Und diese 10.2 schoss sie auch. Mit 613.6 sicherte sich Enquvist hinter Siegerin Jennifer McIntosh (GBR, 619.1) und Dariya Sharipova (UKR, 615.5) Bronze. Ärgern mag sich Marina Bösiger über die knapp verpasste Medaille nicht gross. «Die Freude überwiegt», sagt sie. Zu Beginn habe sie die Intensität des Windes nur schlecht abschätzen können. Das sei ihr je länger je besser gelungen. «Ich war während des gesamten Wettkampfs sehr fokussiert», so Bösiger. Geholfen hat ihr dabei, dass sie die eigenen Erwartungen heruntergeschraubt hat. Über einen schlechteren Schuss habe sie sich deshalb nie aufgeregt, sie habe einfach ihr Ding weitergezogen. Das hat sich ausbezahlt – und das mehr, als sie selber gedacht hatte. Marina Bösiger glaubte angesichts ihrer Punktzahl an einen Top-Ten-Platz aber nicht an mehr. Dass es soweit nach vorne gereicht habe, sei für sie selber überraschend gewesen.

 

Vanessa Hofstetter fand nach ein paar Tipps von Trainerin Gaby Bühlmann besser in den Wettkampf.

 

Die beiden anderen Schweizerinnen landeten weiter hinten. Vanessa Hofstetter wurde mit 604.1 Punkten 26., Nina Christen klassierte sich mit 602.3 Zählern auf dem 31. Rang. Vanessa Hofstetter sprach von einem anstrengenden Wettkampf, der sie mental gefordert habe. Sie hatte sich in den Probeschüssen auf eine Windrichtung eingeschossen. Doch im Wettkampf wechselte der Wind munter seine Richtung. Nach einem Unterbruch und einer kurzen Besprechung mit Trainerin Gaby Bühlmann fand sie besser in den Wettkampf. In der Teamwertung siegte die Ukraine (1832.3) vor Deutschland (1824.9) und Österreich (1823.1). Die Schweiz belegte mit 1819.9 Punkten den 6. Rang.

 

Die Schweizer Männer im Einsatz: Jan Lochbihler (ganz links oben), Simon Beyeler (Nr. 12) und Christoph Dürr (Nr. 14).

 

Auch die Schweizer Männer blieben im Liegendmatch Gewehr 50m ohne Medaille. Am besten mit den schwierigen Windverhältnissen kam Jan Lochbihler zurecht. Der Solothurner belegte mit 613.3 Punkten den 14. Rang. Auf einen Finalplatz fehlten 2.7 Zähler. Diesen achten Platz sicherte sich der Österreicher Thomas Mathis, der im Final Europameisterschafts-Gold erst im Shoot-off verpasste. Er unterlag dem Weissrussen Yury Shcherbatsevich, der die Qualifikation mit phänomenalen 625.6 Punkten für sich entschieden hatte – bei ständig wechselndem und böigem Wind. Er distanzierte die Konkurrenz um 8.3 Punkte und mehr. Simon Beyeler (34., 609.9) und Christoph Dürr (35., 609.6) mussten mit Plätzen im Mittelfeld vorlieb nehmen. In der Teamwertung klassierten sich die Schweizer mit 1832.8 Punkten auf dem 5. Rang. Auf Bronze fehlten über neun Punkte. Das Podest: Weissrussland (1847.7) vor Österreich (1842.6) und Frankreich (1842.2).

 

Die Schweizer Delegation im Publikum: Vorne Marina Bösiger und Vanessa Hofstetter, hinten Christoph Dürr (der seinen Wettkampf früh abgeschlossen hatte) und Daniel Burger.

 

Jan Lochbihler haderte am Ende der Qualifikation mit seiner Position ganz am linken Rand des Starterfelds. Der Wind habe gerade dort ständig gewechselt, während er in den Probeschüssen noch einigermassen konstant geblasen habe. «Am Anfang war es wie beim Pokern», analysiert er. «Ich habe zu lange kein Rezept gefunden.» Simon Beyeler hatte nach kurzer Einarbeitungszeit einen guten Rhythmus gefunden. «Deshalb habe ich meine zuvor festgelegte Taktik geändert», erklärt der Schwarzenburger. Statt nach 30 Schuss wie geplant aufzustehen und sich zu lockern, entschied er sich den Lauf nicht zu unterbrechen. Eine Entscheidung, die sich im Nachhinein als falsch herausstellen sollte. «Danach hatte ich Probleme mit dem Wind und mit meiner Technik.» Hier sah auch Christoph Dürr den Knackpunkt. Er habe sich zwar an die Taktik gehalten, zügig und mutig zu schiessen. «Doch dabei habe ich meine Technik vernachlässigt.» Dürr vergab einige Punkte zu leichtfertig. «Ich habe ab und zu zuviel Risiko genommen.»

 

Es flattern nicht nur die Windfahnen, sondern auch die Startnummern: Muriel Züger schiesst unter erschwerten Bedingungen.

 

Wenig fehlte auch bei den Juniorinnen: Muriel Züger, die erfahrenste aus dem Schweizer Trio, kämpfte zwar im Liegendmatch Gewehr 50m wie alle anderen auch mit dem Wind, sie schlug sich dabei aber hervorragend. Die Schwyzerin totalisierte 605.4 Punkte und klassierte sich auf dem 7. Rang. Damit war sie zufrieden. «Nur in der dritten Passe habe ich die Zügel etwas schleifen lassen», so die Juniorin. «Ansonsten habe ich konsequent geschossen und Gas gegeben, wenn der Wind für mich richtig blies.» Gold ging an die Tschechin Sara Karasova (612.2) vor der Deutschen Selina Zimmermann (610.2) und der Finnin Marianne Palo (608.9). Valentina Caluori aus Rhäzüns reihte sich mit 599.3 Punkten und Rang 21 im breiten Mittelfeld ein. «Es hat alles geflattert: die Windfahnen, meine Haare und die Startnummer», sagt sie und lacht. «Für diese Bedingungen war meine Leistung in Ordnung. So viel Wind habe ich noch selten erlebt. Aber einige Fehler muss ich auf meine Kappe nehmen.» Chiara Leone (Frick AG) zahlte etwas Lehrgeld. Die junge Aargauerin fand sich mit den schwierigen Bedingungen nicht zurecht und belegte mit 577.9 Punkten den 44. Rang. Die Teamwertung schlossen die drei Schweizerinnen mit 1782.6 Punkten auf dem 9. Rang ab. Gold ging verdient an die Tschechinnen (1814.8) vor den Norwegerinnen (1809.7) und den deutschen Juniorinnen (1807.2).

 

Muriel Züger (links) und Valentina Caluori (2. von rechts).

 

Im Einsatz stand am dritten Wettkampftag der Europameisterschaften in Baku auch Sandro Loetscher. Mit der Olympischen Schnellfeuerpistole legte er einen soliden ersten Qualifikationsteil hin. Die 284 Punkte reichten für den 18. Zwischenrang. Auf die Finalplätze fehlen sieben Punkte und mehr. Im zweiten Wettkampfteil vom 25. Juli ist deshalb eine markante Steigerung nötig, will Loetscher um die Medaillen mitschiessen. Wie er das anstellen will, weiss er: «Ich darf mich vom Wind nicht beeinflussen lassen, sondern muss mich auf mich konzentrieren», sagt er. Er sei zu vorsichtig gewesen. «Statt Respekt hatte ich Angst. Damit habe ich es mir selber schwer gemacht.» Zwar habe er sich mit grösserer Wettkampfdauer immer wohler gefühlt. «Leider etwa zwei Passen zu spät.» (van)

 

Sandro Loetscher liess sich im 1. Teil der Qualifikation vom Wind aus der Ruhe bringen.

 


Berichterstattung vom 23. Juli 2017

 

Manuel Lüscher verpasst das Podest nur knapp

 

Fast hätte sich die Schweiz am zweiten Tag der Europameisterschaften in Baku über die erste Medaille freuen können. Der Nidwaldner Manuel Lüscher zeigte mit dem Gewehr 50m liegend eine hervorragende Leistung und wurde Vierter. Auch das Team verpasste mit dem fünften Platz die Medaillen nur knapp. Auf Bronze fehlten lediglich 2.1 Punkte.

 

Resultate Gewehr 50m liegend Junioren: Final, Team, Qualifikation

Impressionen: Final und Qualifikation Gewehr 50m liegend Junioren, PET Gewehr 50m liegend Juniorinnen, PET Gewehr 50m liegend Männer, PET Olymp. Schnellfeuerpistole 25m, Impressionen abseits des Wettkampfgeschehens

 

Vierte und fünfte Plätze kennt Manuel Lüscher zur Genüge: Schon mehrmals hat der Gewehrschütze aus Ennetbürgen an Titelkämpfen einzeln oder im Team die Medaillen knapp verpasst. Das änderte sich leider auch an seinen letzten Europameisterschaften als Junior nicht: Der Nidwaldner belegte in Baku (Aserbaidschan) im Liegendmatch mit dem Kleinkalibergewehr auf 50 Meter den vierten Platz. Bis zum 16. Schuss schien eine Medaille in Griffweite. Im 17. Schuss allerdings wurde Lüscher mit einer 9.2 zurückgebunden. Ein Handicap, das sich als zu gross herausstellte. «Bei diesem Schuss habe ich zu lange gezögert», analysierte der Schweizer Teamleader unmittelbar nach dem Final. Der Kroate Borna Petanjek und der Brite Cameron Pirouet konnten sich etwas von Lüscher absetzen und sich schliesslich Silber und Bronze sichern. Gold ging überlegen an den Ungaren Zalan Pekler, der mit 250.6 Punkten auch einen neuen Junioren-Final-Weltrekord aufstellte.

 

Manuel Lüscher nach dem Final: «Nun habe ich bewiesen, dass ich das Schiessen nicht verlernt habe.»

 

Manuel Lüscher trauerte einerseits der verpassten Chance nach, freute sich aber andererseits auch über seine Leistung. In den letzten Monaten konnte der Nidwaldner sein Potenzial nicht nach Wunsch abrufen. «Nun habe ich bewiesen, dass ich das Schiessen nicht verlernt habe. Es geht doch noch», so Lüscher. Dass es noch geht, bewies er auch in der Qualifikation – allerdings erst in der zweiten Hälfte. Insbesondere die zweite von sechs 10er-Serien gelang Lüscher nicht nach Wunsch. Mit 98.9 Punkten schien ein Finalplatz in weiter Ferne. «Ich wollte es perfekt machen und schoss deshalb am Anfang zu vorsichtig», erklärt Lüscher. Eine Änderung der Taktik brachte den gewünschten Erfolg. Lüscher achtete weniger auf den Wind und zog seinen Rhythmus durch. Mit Erfolg: 103.4, 104.4 und 103.7 Punkte in den drei letzten Serien liessen ihn in der Tabelle immer weiter nach vorne rücken. Mit 615.1 Punkten qualifizierte er sich als Siebter für den Final. Einen Rang gewann er, weil dem Russen Artem Filippov wegen eines unberechtigten Protests zwei Punkte abgezogen wurden. Filippov fiel damit aus den ersten acht finalberechtigten Rängen, zudem bedeutete das Jury-Verdikt auch den Verlust der Teammedaille für Russland. Gold ging in der Teamwertung an Deutschland vor Norwegen und Ungarn. Den Schweizern fehlten als fünftplatziertes Team 2.1 Punkte auf Bronze.

Zum guten Teamergebnis haben neben Lüscher Ludovic Rohrbasser (Neyruz) und Sven Riedo (St. Ursen) beigetragen. Rohrbasser belegte mit 611.9 Punkten den 15. Rang. Er geriet bereits mit dem ersten Schuss etwas aus dem Konzept. Eine 8.8 ist kein Auftakt nach Mass. «Ich hatte ein Problem mit meinem Riemen», erklärt Rohrbasser. Nachdem das Problem behoben und sich der Romand gefangen hatte, zeigte er einen starken Wettkampf. Vom unregelmässigen Wind liess er sich kaum beeindrucken. Ganz zufrieden mit sich war er trotzdem nicht. Sven Riedo komplettierte das gute Schweizer Ergebnis mit 607.1 Zählern und Rang 32. Ihm gelang wie allen Schweizern kein optimaler Start. Und wie Manuel Lüscher legte der Freiburger einen Schlussspurt hin, der aber nicht mehr ganz so weit nach vorne führte wie beim Innerschweizer. (van)

 

 


Berichterstattung vom 22. Juli

 

Jason Solari sorgt für den optimalen Start

 

Am ersten Wettkampftag an den Europameisterschaften in Baku (AZE) konnte sich das Schweizer Team bereits zum ersten Mal freuen – dank Jason Solari. Der junge Tessiner Luftpistolenschütze wurde im Qualifikationswettkampf für die Youth Olympic Games 2018, die im Rahmen der Europameisterschaften durchgeführt werden, sehr guter Achter.

 

Resultate Luftpistole Junioren Qualifikation für die YOG: Final, Qualifikation

Impressionen: Wettkampf von Jason Solari, PET Gewehr 50m liegend Junioren, Training OSP 25m Sandro Loetscher, Eröffnungsfeier, Abseits des Wettkampfgeschehens

 

Als erster Schweizer hatte Jason Solari an den Europameisterschaften in Baku am 22. Juli seinen Ernsteinsatz. Der junge Tessiner trat mit der Lufpistole im Qualifikationswettkampf für die Youth Olympic Games 2018 in Buenos Aires an. Mit 563 Punkten schaffte er als Achter den Sprung in den Final. Den achten Platz eroberte er auch in der Endausmarchung. Er musste als erster Finalist mit 112.2 Punkten die Segel streichen. Für Jason Solari ist dieser achte Rang ein grosser Erfolg, auch wenn es nicht für einen Quotenplatz gereicht hat. Nur die besten drei Schützen sicherten ihrem Land ein Ticket für Buenos Aires. Der Sieg ging an den Deutschen Nils Strubel, der im Final von Beginn an die Führung übernahm und diese bis zum Schluss nicht mehr hergab. Er gewann mit 239.0 Punkten deutlich vor dem Bulgaren Kiril Kirov (236.5) und dem Weissrussen Abdul-Aziz Kurdzi.

 

Jason Solari bewies in Baku Nervenstärke.

 

Zu Beginn der Qualifikation hatte nur wenig auf den Erfolg von Solari hingedeutet. Der Tessiner aus Malvaglia startete nervös und erzielte in der ersten Passe 91 Punkte. Ein Finalplatz lag in der Ferne. Danach folgte ein Steigerungslauf mit zweimal 93, 95 und in der fünften Passe gar 98 Punkte. In dieser Phase zeigte Jason Solari eindrücklich, was seine grosse Stärke ist: Wenn er einen Lauf hat, dann legt er Zehner in lockerer Selbstverständlichkeit hin. Die sechste Passe begann deshalb ebenfalls sehr ansprechend, bis er nach dem fünften Schuss unterbrechen musste. Seine Druckluftkartusche war nahezu leer, obwohl er sie vor dem Wettkampf komplett aufgefüllt hatte. Auch wenn der Wechsel der Kartusche nur einen kurzen Unterbruch bedeutete, war Solaris Lauf unterbrochen. Er schoss mit fünf Neunern aus, der zuvor fast schon sicher geglaubte Finalplatz wurde zur Zitterpartie. Dank seiner 17 Innenzehner setzte sich Solari schliesslich gegen den Georgier Kako Mosulishvili (ebenfalls 563 Punkte, aber nur 13 Innenzehner) durch.

 

Sabina Babayeva sorgte an der Eröffnungsfeier mit aserbaidschanischem Pop für Stimmung.

 

Zum Abschluss des ersten Wettkampftags wurden die Europameisterschaften feierlich eröffnet. Verschiedene aserbaidschische Würdenträger, ISSF-Präsident Olegario Vazquez Rana sowie ESC-Präsident Vladimir Lisin sprachen zu den Delegationen. Letzterem war es vorbehalten, die Europameisterschaften offiziell zu eröffnen. Es folgte ein musikalisches Programm, das von traditioneller aserbaidschanischer Trommelmusik über Bauchtanz bis hin zu Pop von Sabina Babayeva reichte. Die Sängerin vertrat Aserbaidschan am Eurovision Song Contest 2012, der – nach dem Sieg Aserbaidschans im Jahr zuvor – in Baku durchgeführt wurde. (van)

 


Vorschau

 

Das Schweizer EM-Team ist komplett

 

Nach dem für die Schweiz äusserst erfolgreichen Europacup Gewehr 300m/Pistole 25m in Thun (5. bis 7. Juli) hat das Schweizer Trainerteam die Gewehr 300m-Schützinnen und -Schützen für die Europameisterschaften selektioniert. Vier Männer und drei Frauen komplettieren das Team für Baku (Azerbaidschan).

 

22 Schützinnen und Schützen werden die Schweiz an den Europameisterschaften Gewehr 50/300m und Pistole 25/50m in Baku (21. Juli bis 4. August) vertreten. Bereits Anfang Juni hatte der Schweizer Trainerstab unter der Leitung von Daniel Burger, Leiter Bereich Spitzensport, die Athletinnen und Athleten in den Olympischen Disziplinen für den Saisonhöhepunkt selektioniert. Nach dem Europacup Gewehr 300m/Pistole 25m in Thun (5. bis 7. Juli) wurde das EM-Team um sieben weitere Mitglieder ergänzt. Für die Schweiz werden in der azerbaidschanischen Hauptstadt Marina Schnider (Ennetbürgen NW), Andrea Brühlmann (Arbon TG) und Silvia Guignard (Zürich) auf Medaillenjagd gehen. Dieses Trio wird sowohl im Dreistellungs- als auch im Liegendwettkampf Gewehr 300m antreten.

Das 300m-Männer-Team besteht aus Gilles Dufaux (Granges-Paccot FR), Jan Lochbihler (Holderbank SO), Andrea Rossi (Bellinzona TI) und Marcel Ackermann (Gossau SG). Liegendspezialist Ackermann wird nur in der Disziplin Gewehr 300m liegend zum Einsatz kommen und Andrea Rossi ersetzen. Dufaux und Lochbihler werden den Liegendwettkampf sowie die beiden Dreistellungswettkämpfe Gewehr 300m (3x40) und Standardgewehr 300m (3x20) bestreiten. In den Dreistellungswettkämpfen gehört zudem Andrea Rossi zum Schweizer Team.

 

 

Während Jan Lochbihler bereits für Baku selektioniert war (Gewehr 50m) stossen die sechs anderen Athleten zur Schweizer Delegation hinzu. Insgesamt werden 22 Schützinnen und Schützen an die EM reisen. Hinzu kommen die drei Nachwuchsschützen Sarina Hitz (Mauren TG), Anna Bastian (Villaz-Saint-Pierre FR) und Jason Solari (Malvaglia TI). Die drei werden an dem parallel zur EM stattfindenden Qualifikationswettkampf für die Youth Olympic Games 2018 in Buenos Aires (ARG) teilnehmen und versuchen, erste Quotenplätze für die Schweiz zu erobern.

Den Schweizer Athletinnen und Athleten ist in Baku einiges zuzutrauen – sowohl in den Olympischen wie auch in den nicht-olympischen Disziplinen. In den Olympischen Disziplinen (Gewehr 50m, Pistole 25m) haben Heidi Diethelm Gerber, Nina Christen und Jan Lochbihler schon mehrfach bewiesen, dass sie zur absoluten Weltspitze gehören. Auch die anderen Schweizer Starterinnen und Starter sind immer für einen Exploit gut. Die 300m-Disziplinen sind traditionellerweise eine starke Schweizer Disziplin. Auch hier liegen Medaillen im Bereich des Möglichen. Baku ist allerdings für Schützinnen und Schützen ein schwieriges Pflaster. Starker und vor allem unregelmässiger Wind macht ihnen zu schaffen. Und mit solchen Bedingungen werden sie in Baku konfrontiert werden. Baku heisst schliesslich nicht umsonst «Stadt der Winde». (van)

 


Die selektionierten Athletinnen und Athleten

 

Nicht-olympische Disziplinen (Selektion am 7. Juli 2017)

Frauen Gewehr 300m Dreistellung (3x20) und Gewehr 300m liegend

Andrea
Brühlmann

18.01.1984,
Arbon (TG)

Silvia
Guignard

06.08.1974,
Zürich

Marina Schnider

11.07.1986,
Ennetbürgen (NW)

 

Männer Gewehr 300m Dreistellung (3x40) und Standardgewehr 300m (3x20)

Gilles
Dufaux

13.12.1994,
Granges-Paccot (FR)

 

Jan
Lochbihler

03.03.1992,
Holderbank (SO)

Andrea
Rossi

05.03.1991,
Bellinzona (TI)

 

Männer Gewehr 300m liegend

Marcel
Ackermann

31.07.1974, Gossau (SG)

Gilles
Dufaux

13.12.1994,
Granges-Paccot (FR)

Jan
Lochbihler

03.03.1992,
Holderbank (SO)

 

 

Olympische Disziplinen (Selektion am 9. Juni 2017)

Juniorinnen Gewehr 50m Dreistellung (KK 3x20) und Gewehr 50m liegend (KK liegend)

Valentina
Caluori

02.05.1999,
Rhäzüns (GR)

Chiara
Leone

15.06.1998,
Frick (AG)

Muriel
Züger

14.01.1998,
Galgenen (SZ)

 

Junioren Gewehr 50m Dreistellung (KK 3x40)

Christian
Alther

01.06.1997,
Grub (SG)

Manuel
Lüscher

04.07.1997,
Ennetbürgen (NW)

Sven
Riedo

03.02.1999,
St. Ursen (FR)

 

Junioren Gewehr 50m liegend (KK liegend)

Manuel
Lüscher

04.07.1997,
Ennetbürgen (NW)

Sven
Riedo

03.02.1999,
St. Ursen (FR)

Ludovic
Rohrbasser

18.02.1999,
Neyruz (FR)

 

Frauen Sportpistole 25m (SP 25m)

Heidi
Diethelm Gerber

20.03.1969,
Märstetten (TG)

Sandra
Stark

16.12.1988,
Münchwilen (TG)
   

 

Männer Olympische Schnellfeuerpistole 25m (OSP 25m)

Sandro
Loetscher

05.11.1992,
Gelterkinden (BL)
       

 

Frauen Gewehr 50m Dreistellung (KK 3x20) und Gewehr 50m liegend (KK liegend)

Marina
Bösiger

10.05.1995,
Derendingen (SO)

Nina
Christen

07.02.1994,
Wolfenschiessen (NW)

Vanessa
Hofstetter

10.01.1995,
Gümmenen (BE)

 

Männer Gewehr 50m Dreistellung (KK 3x40) und Gewehr 50m liegend (KK liegend)

Simon
Beyeler

11.06.1982,
Schwarzenburg (BE)

Christoph
Dürr

28.04.1996,
Gams (SG)

Jan
Lochbihler

03.03.1992,
Holderbank (SO)

 

 

Qualifikation Youth Olympic Games (YOG)

Luftpistole 10m

Luftgewehr 10m

Anna
Bastian

20.04.2002,
Villaz-Saint-Pierre (FR)

Jason
Solari

08.01.2000,
Malvaglia (TI)

Sarina
Hitz

05.09.2000,
Mauren (TG)

 

 


Das EM-Programm

(provisorisch, ohne Gewähr, nur Disziplinen mit Schweizer Beteiligung)

 

 

Samstag, 22. Juli 2017

14.00-15.15 Uhr Luftpistole 10m Junioren Qualifikation (YOG) Jason Solari
16.15 Uhr Luftpistole 10m Junioren Final (YOG)
18.00 Uhr Eröffnungszeremonie Ganzes Schweizer Team

 

Sonntag, 23. Juli 2017

12.30-13.15 Uhr Gewehr 50m liegend Junioren Qualifikation Manuel Lüscher, Sven Riedo, Ludovic Rohrbasser
14.15 Uhr Gewehr 50m liegend Junioren Final

 

Montag, 24. Juli 2017

9.00-9.50 Uhr Gewehr 50m liegend Männer Qualifikation Simon Beyeler, Christoph Dürr, Jan Lochbihler
10.50 Uhr Gewehr 50m liegend Männer Final
9.00-14.20 Uhr Schnellfeuerpistole 25m Männer Qualifikation (1. Teil) Sandro Loetscher
10.45-11.35 Uhr Gewehr 50m liegend Frauen Qualifikation Marina Bösiger, Nina Christen, Vanessa Hofstetter
12.30-13.05 Uhr Gewehr 50m liegend Juniorinnen Qualifikation Valentina Caluori, Chiara Leone, Muriel Züger

 

Dienstag, 25. Juli 2017

9.00-11.45 Uhr Gewehr 50m 3-Stellung Junioren Qualifikation Christian Alther, Manuel Lüscher, Sven Riedo
12.45 Uhr Gewehr 50m 3-Stellung Junioren Final
9.00-14.20 Uhr Schnellfeuerpistole 25m Männer Qualifikation (2. Teil) Sandro Loetscher
15.15 Uhr Schnellfeuerpistole 25m Männer Final

 

Mittwoch, 26. Juli 2017

9.00-11.45 Uhr Gewehr 50m 3-Stellung Männer Qualifikation Simon Beyeler, Christoph Dürr, Jan Lochbihler
12.45 Uhr Gewehr 50m 3-Stellung Männer Final

 

Donnerstag, 27. Juli 2017

9.00-10.45 Uhr Gewehr 50m 3-Stellung Frauen Qualifikation Marina Bösiger, Nina Christen, Vanessa Hofstetter
11.45 Uhr Gewehr 50m 3-Stellung Frauen Final
9.00-10.45 Uhr Pistole 25m Frauen Qualifikation (Präzision) Heidi Diethelm Gerber, Sandra Stark
11.30-13.15 Uhr Gewehr 50m 3-Stellung Juniorinnen Qualifikation Valentina Caluori, Chiara Leone, Muriel Züger
14.15 Uhr Gewehr 50m 3-Stellung Juniorinnen Final

 

Freitag, 28. Juli 2017

9.00-10.30 Uhr Pistole 25m Frauen Qualifikation (Schnellfeuer) Heidi Diethelm Gerber, Sandra Stark
11.30 Uhr Pistole 25m Frauen Final
12.45-13.35 Uhr Luftgewehr 10m Juniorinnen Qualifikation (YOG) Sarina Hitz
14.30 Uhr Luftgewehr 10m Juniorinnen Final (YOG)
16.00-16.50 Uhr Luftpistole 10m Juniorinnen Qualifikation (YOG) Anna Bastian
17.45 Uhr Luftpistole 10m Juniorinnen Final (YOG)

 

Samstag, 29. Juli 2017

9.00-10.00 Uhr Gewehr 300m liegend Frauen Andrea Brühlmann, Silvia Guignard, Marina Schnider
11.00-12.00 Uhr Gewehr 300m liegend Männer Elimination 1 Marcel Ackermann, Gilles Dufaux, Jan Lochbihler
13.00-14.00 Uhr Gewehr 300m liegend Männer Elimination 2

 

Sonntag, 30. Juli 2017

9.00-10.00 Uhr Gewehr 300m liegend Männer Qualifikation Marcel Ackermann, Gilles Dufaux, Jan Lochbihler
11.00-13.00 Uhr Gewehr 300m 3-Stellung Frauen Qualifikation Andrea Brühlmann, Silvia Guignard, Marina Schnider
16.00-17.00 Uhr Gewehr 300m Mixed  

 

Montag, 31. Juli 2017

9.00-12.00 Uhr Gewehr 300m 3-Stellung Männer Gilles Dufaux, Jan Lochbihler, Andrea Rossi

 

Dienstag, 1. August 2017

9.00-11.00 Uhr Standardgewehr 300m 3-Stellung Männer Gilles Dufaux, Jan Lochbihler, Andrea Rossi

 

Downloads

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EM Baku Gewehr 50m Dreistellung Juniorinnen: Chiara Leone
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Selektionen für die Europameisterschaften Gewehr 300/50m und Pistole 50/25m in Baku

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