Home  ->   Aktuell  ->   Rio 2016

Geschwächter Jan Lochbihler verpasst den Finaleinzug

Für einmal ist Jan Lochbihler die <br>Luft ausgegangen. Er vergibt <br>einen möglichen Finaleinzug <br>ganz am Schluss.
Für einmal ist Jan Lochbihler die
Luft ausgegangen. Er vergibt
einen möglichen Finaleinzug
ganz am Schluss.

14.08.2016 - Jan Lochbihler ist ein Modellathlet, einer der wohl auch sechs Stunden lang im Schiessstand Höchstleistungen abrufen kann. In der Qualifikation Gewehr 50m Dreistellung war das für einmal anders: Kopfweh und Durchfall haben den 24-Jährigen geschwächt. Mit 1166 Punkten reicht es für Rang 30. Den Sieg holt sich Niccolo Campriani, der damit doppelter Olympiasieger von Rio ist.

 

Rangliste Gewehr 50m Dreistellung Männer Final,
Rangliste Gewehr 50m Dreistellung Männer Qualifikation

Live-Resultate, Informationen und Programm

 

Wieder einmal haben es die Schweizer Schützen spannend gemacht. Heidi Diethelm Gerber hat sich mit dem letzten Schuss für den Final qualifiziert, Nina Christen dank einer Aufholjagd im Stehend-Schiessen. Gleiches hat heute Jan Lochbihler vollbracht - bis zum 114. Schuss. 1114 Punkte hatte er zu diesem Zeitpunkt auf seinem Konto, dazu die höchste Anzahl Innenzehner. Hätte er sechs Zehner geschossen, wäre er auf Rang 7 vorgestossen und hätte keinen geringeren als Niccolo Campriani aus dem Final gekippt. Doch während Campriani den Schiessstand mit einem Lächeln verliess, war Jan Lochbihler enttäuscht. Der 115. Schuss war «nur» eine Acht, die Finalträume waren geplatzt. Bei Jan Lochbihler war die Luft draussen. Am Ende kam er auf 1166 Punkte (390, 398, 378), was zum 30. Rang reichte.

 

Medikamente mit Nebenwirkungen

«Am Schluss hat mir die Kraft gefehlt», analysiert Jan Lochbihler. Wenn das ein Modellathlet wie Jan Lochbihler sagt, dann muss etwas nicht stimmen. Der Solothurner hat sich eine Verkältung und eine Stirnhöhlenentzündung eingefangen. Am Morgen des Wettkampfs klagte er über Kopfweh. Ein Besuch beim Arzt sollte Linderung bringen. Die Kopfschmerzen waren danach zwar weg, die Medikamente hatten aber eine unerwünschte Nebenwirkung, die Lochbihlers lange Pause zwischen dem Liegend- und dem Stehend-Schiessen erklärt. Der 24-Jährige litt an Durchfall. «Das soll aber keine Entschuldigung sein», betont Jan. Doch in einem Wettkampf, in dem 1174 Punkte (62 Innenzehner) für die Finalqualifikation nötig sind und in dem der Qualifikationsbeste, der Russe Sergey Kamenskiy, mit 1184 Punkten einen neuen Olympischen Rekord geschossen hat, braucht es einen 100 Prozent fitten Jan Lochbihler.

 

«Nur ein kleiner Trost»

«Mir fehlen schon kniend zwei bis drei Punkte», erklärt Lochbihler. Liegend sei die Leistung in Ordnung gewesen. «Stehend kam ich nie in den Wettkampf hinein. Mir hat die Spannung gefehlt.» Am Tag X müsse ein Athlet alle Puzzleteile richtig zusammensetzen, um seine Bestleistung abzurufen, hat Nationaltrainer Daniel Burger während der Olympischen Spiele einmal gesagt. Bei Jan Lochbihler haben in der Königsdisziplin einige Puzzleteile gefehlt. Dass er mit 71 die meisten Innenzehner des gesamten Felds geschossen hat, sei «nur ein kleiner Trost», so Lochbihler. «Aber es gibt mir die Gewissheit, dass nur ganz wenig fehlt. Ich muss nur noch den Knopf auftun, dann bin ich im Final dabei.»

 

Campriani wird zweifacher Olympiasieger

Der Überflieger Kamenskiy und der als Achter gerade noch in den Final gerutschte Campriani waren in der letzten Schiesssport-Entscheidung der Olympischen Spiele 2016 die überragenden Figuren. Sie lieferten sich ein Duell auf höchstem Niveau - und zeigten Nerven. Nach 40 der 45 Finalschüsse war klar, dass die beiden Gold und Silber unter sich ausmachen würden. Ihr Vorsprung auf die Konkurrenz betrug vier Punkte. Doch bei beiden flatterten die Nerven, den Zehnerring kannten sie nur noch vom Hörensagen. Vor dem 45. und letzten Schuss lag Campriani 0.6 Punkte hinter dem jungen Russen. Nach einer 9.2 hatte sich Campriani wahrscheinlich schon mit der Silbermedaille abgefunden. Doch Kamenskiy machte einen auf Emmons (der übrigens nach einer schwachen Stehend-Leistung bereits in der Qualifikation gescheitert war) und erzielte «nur» eine 8.3. Der Italiener kam zu Gold wie die Jungfrau zum Kinde. Seine 458.8 Punkte sind gleichzeitig Olympischer Finalrekord, allerdings nur aufgrund von Regeländerungen seit London 2012. Campriani ist damit der einzige Doppel-Olympiasieger von Rio im Schiesssport. Nach dem Luftgewehr-Sieg verteidigt er seinen Titel in der Königsdisziplin. Für einmal leer aus gingen die Deutschen. Daniel Brodmeier und André Link belegten die Ränge vier und fünf. (van)

 

Member
Swiss Olympic ISSF
SCHWEIZER SCHIESSSPORTVERBAND SSV
Lidostrasse 6
6006 Luzern
Tel.: 041 / 370 82 06
Fax : 041 / 370 57 17
info@swissshooting.ch