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Heidi Diethelm Gerber steht im Olympia-Final

09.08.2016 - Die Thurgauerin macht es in der Qualifikation mit der Sportpistole 25m spannend. Nur dank eines Innenzehners mehr schafft sie den Sprung unter die letzten Acht. Dafür war ganz zum Schluss eine Aufholjagd nötig.

«Mir ist ein ganzer Fels vom Herzen gefallen.» So beschreibt Heidi Diethelm Gerber unmittelbar nach dem Ende der Qualifikation ihre Gefühle. Sie selbst hat gar nicht mehr so richtig an die Finalteilnahme geglaubt. «Ich bin davon ausgegangen, dass es 584 Punkte für einen Rang unter den besten Acht braucht», sagt sie. «Nun hat es mit 582 gereicht.» Nach 55 Schuss hat aber nur wenig auf diesen Erfolg hingedeutet. Heidi Diethelm fiel nach 47 und 48 Punkten in den Serien vier und fünf auf den sechsten Zwischenrang ihrer Ablösung zurück. Das wäre für den Final zu wenig gewesen. Ehemann und Trainer Ernst Gerber reagierte und nahm Heidi Diethelm ins Gebet: «Schön von A nach B fahren und den Schuss laufen lassen», habe er ihr gesagt. Das hat genützt: Heidi Diethelm erzielte unter höchstem Druck 50 Punkte und zwei Innenzehner und fing die südkoreanische Titelverteidigerin Kim Jangmi noch ab. Diethelm klassiert sich mit 582 Punkten und 21 Innenzehnern auf Rang 7, einen Rang dahinter folgt die Russin Ekaterina Korshunova mit derselben Punktzahl und derselben Anzahl Innenzehner, aber der schlechteren Schlusspasse. Kim Jangmi scheidet wegen eines fehlenden Innenzehners aus. Die sechstplatzierte Jo Yong Suk aus Nordkorea totalisiert ebenfalls 582 Punkte, erzielte aber 22 Innenzehner. Alleine auf weiter Flur an der Ranglistenspitze liegt die Weltranglistenerste Zhang Jingjing aus China, die mit 592 Zählern einen neuen Olympischen Rekord erzielte. Im Final mit dabei ist zudem Anna Korakaki. Die junge Griechin zeigte sich insbesondere im Präzisionsschiessen beflügelt von Olympiabronze mit der Luftpistole. Komplettiert wird das Finalfeld mit Nino Salukvadze (GEO, 3.), Monika Karsch (GER, 4.) und Antoaneta Boneva (BUL, 5.).

 

Mit der Finalqualifikation wird Heidi Diethelm für die intensive Arbeit der letzten vier Jahre belohnt. Nur im Final dabei zu sein, ist ihr aber zu wenig. «Natürlich will ich mehr, wenn ich schon so weit gekommen bin», sagt die 47-Jährige. Sie hofft, dass sie im Kampf um die Medaillen befreiter auftreten kann. «Der Druck vor der Qualifikation war enorm», sagt sie. Druck, den sie sich selber auferlegt habe, Druck, den sie aber auch vom Team, vom Verband, von der ganzen Schützengemeinde gespürt habe. Mit der Finalqualifikation sei die grösste Belastung nun weg, so Heidi Diethelm.

 

Die Thurgauerin hat in der Qualifikation einmal mehr bewiesen, dass sie im entscheidenden Moment bereit ist. Den Quotenplatz für Rio holte sie anlässlich des letztmöglichen Wettkampfs, den European Games in Baku – die sie notabene gewann. Und nun holt sie auch in Rio die Kastanien aus dem Feuer, als es vermeintlich schon zu spät war. «Das ist eine meiner Stärken», sagt sie. «Ich kämpfe immer bis zum Schluss.» Mit der Sportpistole komme ihr zudem das System entgegen. Anders als mit der Luftpistole wird in Fünfer-Serien geschossen. «Jede Serie ist gleichbedeutend mit einer neuen Chance», erklärt die Märstetterin. Das hat sie sich auch vor den fünf letzten, entscheidenden Schüssen in der Qualifikation gesagt – und das Unmögliche noch möglich gemacht. (van)

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