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Olympia-Treffer: Wo geht's bitte zum Schiesssportzentrum?

Beim Eingang des Schiessstands<br>hätte es viel Platz für Zuschauer. <br>Noch sind die Absperrgitter in der <br>Überzahl.
Beim Eingang des Schiessstands
hätte es viel Platz für Zuschauer.
Noch sind die Absperrgitter in der
Überzahl.

08.08.2016 - An der Copacabana drängen sich die Menschen rund um die Beachvolleyball-Arena, im Olympic Parc in Barra ist ebenfalls viel Betrieb, nur im Schiesssportzentrum Deodoro ist von olympischer Hektik nur wenig zu spüren. Das hat seine Gründe.

Wer durch die Gänge und Räume des Olympischen Schiesssportzentrums im Nordwesten der Stadt spaziert, wird den Eindruck nicht los, dass der Schiesssport beim Publikum nicht wirklich beliebt ist. Fast jeder hier trägt nämlich eine offizielle Akkreditierung um den Hals, ist also Athlet, Funktionär, Trainer, Medienschaffender oder sonst ein offizieller Gast der Olympischen Spiele. «Normale» Zuschauer muss man lange suchen. Wenn man die abenteuerlichen Erlebnisse von Erich Sutter, persönlicher Trainer von Sarah Hornung, hört, ist das nicht weiter verwunderlich. Denn wahrscheinlich finden die potenziellen Zuschauer den Weg gar nicht, sondern sie hängen irgendwo in einer Strassensperre oder in einem Stacheldrahtverhau fest. Während Athleten und Offizielle (zuverlässig) und Medienschaffende (eher unzuverlässig) mit Bussen bis vor die Tore der Schiesssportanlage gefahren werden, müssen sich alle anderen selber durchschlagen. Und das ist alles andere als einfach.

Vorauszuschicken ist, dass sich das Schiesssportzentrum selbst und sonst so einiges weiteres im Umkreis von zehn Kilometern in Militärbesitz befindet. Der Bahnhof nur knapp einen Kilometer vom Schiesssportzentrum entfernt heisst denn sinnigerweise auch Vila Militar. Wer dort aussteigt, ist zwar nah an der Sportstätte dran, aber doch noch meilenweit entfernt. Wegweiser oder Hinweisschilder sucht man vergeblich, oftmals ist der Bahnhof gar ganz gesperrt, wie Erich Sutter erzählt. Er hat an seinen drei Besuchen in Deodoro drei Mal einen anderen Weg genommen, drei Mal stand er entweder vor Soldaten mit Maschinengewehr im Anschlag, vor einem Gitter oder sonst in einer Sackgasse.

Vielleicht würde er unterdessen den Weg besser finden, denn am dritten Wettkampftag hat die Zuschauerfrequenz plötzlich angezogen. Das könnte Zufall sein, ist aber wohl eher der brasilianischen Organisation und Terminplanung zu verdanken. Und die besagt (so die Vermutung), dass spätestens zur Halbzeit der Spiele alles bereit sein muss. Das würde nämlich auch einiges anderes erklären. So ist nun plötzlich auch die Media Lounge geöffnet, in der bis anhin hungernde Journalisten einen Snack erstehen können; erstmals mit Essen bestückt ist auch der Kiosk im Schiesssportzentrum selbst, und immer mehr Busse fahren pünktlich. Rio scheint langsam bereit für Olympia zu sein. Nur Erich Sutter bekommt davon dummerweise nichts mehr mit, er ist bereits abgereist. (van)

Swissshooting.ch wird in unregelmässigen Abständen «Olympia-Treffer» aus Rio publizieren, in denen ein Blick auf das grosse Drumherum der Spiele geworfen wird, abseits des Schiesszentrums Deodoro.

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