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«Ich will in Rio nicht nur dabei sein»

Heidi Diethelm Gerber will in die Finals.
Heidi Diethelm Gerber will in die Finals.

11.07.2016 - Heidi Diethelm Gerber (Jg. 1969, Märstetten TG) startet an den Olympischen Spielen mit der Luftpistole 10m und der Sportpistole 25m. Auf dieses Ziel hat sie lange hingearbeitet.

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Nach London 2012 nimmst du in Rio de Janeiro zum zweiten Mal an Olympischen Spielen teil. Seit wann hast du dieses Ziel vor Augen?

Heidi Diethelm Gerber: Ich arbeite seit den Olympischen Spielen in London auf Rio hin. Im Jahr 2014 habe ich dann alles auf dieses Ziel ausgerichtet und in den Profi-Status gewechselt. Auch wenn eine Olympia-Teilnahme nicht planbar ist und es immer ein Quäntchen Glück braucht, wäre eine verpasste Selektion eine Enttäuschung gewesen.

 

Wie bereitest du dich auf die Olympischen Spiele vor?

Diethelm Gerber: Ich folge, wie auch in den vergangenen Jahren, strikt meiner Jahresplanung, die ja auf die Olympischen Spiele ausgerichtet ist. Es bringt nichts, jetzt in Aktivismus zu verfallen und Intensität und Trainingsformen gross zu verändern. Es geht darum, die Vorarbeit der letzten zwei, drei Jahre zu stabilisieren. Ganz wichtig ist auch, die mentale und körperliche Frische zu behalten, um in Rio Kraft und Energie zu haben. Ich werde nun (Stand Anfang Juli, Anm. d. Red.) noch ein zehntägiges Trainingslager, hoch über dem Walensee, mit meinem Team absolvieren und am 16./17. Juli mit den Shooting Masters einen letzten Wettkampf schiessen. Danach gilt es mentale Frische für den Kopf zu erlangen, um für Rio bereit zu sein.

 

Für die drei weiteren Schweizer Olympia-Schützen sind die Wettkämpfe in Rio eine Premiere. Kannst du Sarah Hornung, Nina Christen und Jan Lochbihler Tipps geben?

Diethelm Gerber: Es ist schwierig Ratschläge zu erteilen. Jeder funktioniert anders, jeder reagiert anders auf eine solch spezielle Situation wie Olympia. Ich denke, es ist für uns wichtig, dass wir frühzeitig anreisen und Zeit haben, um uns im Olympischen Dorf zurechtzufinden, um uns zu akklimatisieren, um uns ein bisschen wie zuhause zu fühlen. Empfehlen kann ich meinen drei Kollegen nur, ruhig und gelassen zu bleiben. Das ist allerdings einfacher gesagt als getan. Olympische Spiele sind nun einmal ein paar Schuhnummern grösser als alle anderen Wettkämpfe. Sarah, Nina und Jan sollen die Atmosphäre geniessen und die Freude mit nach Hause nehmen. Die Erfahrung von Olympischen Spielen kann einem niemand mehr nehmen.

 

Was bringt dir die Olympia-Erfahrung? Gehst du die Herausforderung Rio anders an als London vor vier Jahren?

Diethelm Gerber: Ich habe nach den Erfahrungen von London für Rio de Janeiro die Vorbereitungen angepasst. Vor allem habe ich mir mit dem Profi-Status und meinem Betreuer-Team ein anderes Umfeld geschaffen. Wichtig ist aber auch, dass ich in den letzten vier Jahren viele internationale Wettkämpfe bestritten habe. Diese Routine hilft. Ich fahre deswegen zwar nicht gelassener nach Rio, aber mit einem Gefühl der Sicherheit.

 

«Olympische Spiele sind ein paar Schuhnummern grösser als alle anderen Wettkämpfe.»

Heidi Diethelm Gerber

 

In Rio stehen die Schützinnen und Schützen, die sonst in den Medien wenig Beachtung finden, für einmal im grellen Rampenlicht. Wie gehst du mit diesem Druck um?

Diethelm Gerber: Druck ist das falsche Wort. Aber das gänzlich andere Umfeld, als wir es uns gewohnt sind, das grosse Aufsehen, die vielen Beobachter lösen eine gewisse Nervosität aus. Im Schiessstand kann ich das aber gut ausblenden. Druck mache ich mir selber. Schliesslich habe ich ein Ziel, für das ich vier Jahre lang trainiert habe. Ich will in Rio nicht nur dabei sein.

 

Was sind denn deine Ziele?

Diethelm Gerber: Ich will mit der Luft- und mit der Sportpistole in den Final. Dann beginnt der Wettkampf von vorne und alles ist möglich.

 

Wagen wir einen Blick voraus: Wie geht es nach Rio weiter? Was sind deine nächsten sportlichen Ziele? Oder denkst du bereits an Rücktritt?

Diethelm Gerber: An einen Rücktritt denke ich heute nicht. Ich werde mir nach den Wettkämpfen in Rio Zeit nehmen und dann eine Entscheidung treffen. Momentan ist die Motivation sehr gross, weil die Konstellation mit dem Umfeld, dem Kader und der ganzen Trainingssituation für mich stimmt.

 

Bis zu den Olympischen Spielen werden auf www.swissshooting.ch/rio Interviews mit allen vier Schweizer Olympia-Schützinnen und -Schützen publiziert. Bereits erschienen ist das Interview mit Jan Lochbihler.

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