Home  ->   Aktuell  ->   News  ->   2014

Genf

Markus Aebischer (SG Liestal) als brillanter «Roi du tir»

Ehrenplatz im Team für die Pistolenschützen<br> des SV Kantonspolizei Zürich mit (v.l.) James<br> Kramer (146), Paul Stutz (131), Tom Huber<br> (146) und René Bucher (125).
Ehrenplatz im Team für die Pistolenschützen
des SV Kantonspolizei Zürich mit (v.l.) James
Kramer (146), Paul Stutz (131), Tom Huber
(146) und René Bucher (125).

27.11.2014 - Neben dem historischen Rütlischiessen gehört auch die Teilnahme am Tir Commémoratif de L'Escalade Genève zu einem richtigen Schweizer Schützen. Alljährlich pilgern auf Einladung des renommierten Schützenvereins Exercices de l'Arquebuse et de la Navigation zwei Hundertschaften Gewehr- und Pistolenschützen aus allen Landesteilen in die Rhonestadt.

Ein Quartett des SV der Kantonspolizei Zürich (Paul Stutz, Tom Huber, René Bucher und James Kramer) und zwei Begleiterinnen reisten mit dem Zug an. Hier werde man abgeholt und zum Schützenhaus geführt, erklärte René Bucher, welcher hier den Ablauf aus dem FF kennt. Bereits 12-mal war er hier zu Gast, früher mit den Rütlischützen der SG Hergiswil, nun mit den Zürcher Polizeischützen. Mit einem Kleinbus rollten wir direkt vor das imposante Schützenhaus, welches wie eine Festung wirkt. Noch bevor wir unser Standblatt bezogen, genehmigten wir uns den am Eingang offerierten heissen Punsch, dazu wurde Käse und Brot gereicht. Man fühlt sich bei Arquebuse von der ersten Minute wohl und sehr willkommen. Gastfreundschaft wird hier grossgeschrieben – das spürten wir den ganzen Tag. Die Freunde von Arquebuse Genève  sprechen deutsch – das gibt Verbundenheit. 

Vor über 400 Jahren geschehen - Die Tradition lebt!

Die Escalade de Genève ist ein jährlich stattfindendes Fest in Erinnerung an die erfolgreiche Verteidigung der Stadt gegen Karl Emanuel von Savoyen. In der Nacht vom 11. auf den 12. Dezember 1602 schlichen 2000 bis 3000 Söldner im Schutze der Dunkelheit, von der Arve herkommend, bis zur Stadtmauer von Genf. Einem kleinen Kampftrupp von 200 Mann gelang die Ersteigung der Mauer mittels zweier Leitern. Von daher kommt die Bezeichnung Escalade (Klettern). Die Geschichte wird im Lied Ce qu'è lainô, der inoffiziellen Hymne von Genf, erzählt. Die Genfer singen vor – die Deutschschweizer Schützen summen laut und wacker mit. Eine der grossen Symbolfiguren dieses Festes ist Mère Royaume (Mutter Royaume), die der Legende nach während der nächtlichen Schlacht einen Topf mit heisser Suppe über die savoyischen Soldaten in der Strasse ausgeschüttet hat.

Dies ist der Ursprung des Schokoladentopfes, welcher heute mit feinen Bonbons und Marzipangemüse gefüllt wird. Traditionell wird dieser künstlerisch hergerichtete Topf vom Jüngsten und dem Ältesten aller Anwesenden gemeinsam zerschlagen. Das Kommando zum Vollzug lautet: «Ainsi périssent les ennemis de la république» (So kommen die Feinde der Republik um). Ein Ritual, welches bei jedem Tir Commémoratif de L'Escalade, zelebriert wird. Die Verteidigung der Stadt Genf oblag damals der gastgebenden Schützengesellschaft. Folglich werden die vorgenannten Symbole am Absende-Bankett im Salle des Rois unweit des Jet d’Eaux ausgiebig – und mit den Gedanken an die damals Gefallenen – gefeiert.

Feudale Verhältnisse hier sind alle Schützen Könige

Festlich gedeckte Tische vor dem Absenden im Salle des rois im Hotel Arquebuse.

Die geschichtsträchtige Anlage von Exercices de l'Arquebuse et de la Navigation ist in allen Teilen grosszügig konzipiert. Kaum ein Schützenhaus in der Schweiz verfügt über sechs 25-Meter Scheibenblöcke. Während Paul Stutz und René Bucher die Kapo ZH auf 50 Meter vertraten, richteten sich Tom Huber und James Kramer im 25 Meter-Stand ein. 4 Schützen bildeten ein Team, die Resultate wurden später zusammengezählt und ergaben das Gruppenergebnis. Als hohe Schule gilt hier die Disziplin 50 Meter. Als Ziel wird die Scheibe, welche vom Feldschiessen 25m bekannt ist, verwendet. Im Zielhang ist einfach alles schwarz, das Korn fast nicht zu erkennen, kommentiert der erfahrene René Bucher die Situation. Und so geben auch zielsichere Schützen wie Paul Stutz Punkte ab. Wer hier einen Neunerschnitt halten kann, ist bereits vorn. In beiden Programmen werden 15 Schuss in drei Fünferserien geschossen. Mit 47 Punkten beginnt Paul Stutz, Pistolenmeister vom Rütli 2014, standesgemäss. Danach folgen zwei 42-Passen, welche Paul nicht gefallen. Mit 131 Punkten reicht es für den 9. Schlussrang. René Bucher schiesst 41 / 45 / 39. Er verliert 25 Punkte auf das Maximum, Rang 17 in der Einzelrangliste.  Wesentlich einfacher haben es die 25 Meter Schützen. Hier wird die runde ISSF Scheibe verwendet. Tom Huber startete stark mit 50 Punkten. James Kramer musste in der ersten Serie einen Achter zur Kenntnis nehmen, hält den Schaden aber mit  total 48 Punkten in Grenzen. Ausgeglichen wird der Wettkampf beendet. Die 146 Punkte taten dem Zürcher Gruppenresultat gut.

Einsame Spitze: Markus Aebischer und die SG Liestal

Angeführt von Markus Aebischer, welcher vor Jahrzehnten zu den 10 besten praktischen Schützen im SVDS gehörte und damals für den CC beider Basel schoss, holt sich die SG Liestal mit einem Total von 564 Punkten den verdienten Mannschaftsieg. Mit 138 Punkten egalisierte Markus Aebischer, den Lokalmatadoren Patrick Valentini von Arquebuse 4 und liess sich an der anschliessenden Siegerehrung zum «Roi 50 M» küren. Ehrenvoll schlugen sich die Schützen des SV Kantonspolizei Zürich. 548 Punkte reichen für den Ehrenplatz in der Gruppenwertung. Dritte wurden die Sportschützen von Schmitten-Flamatt.  Tom Huber und James Kramer wurden im vierten und fünften Rang des Einzelklassements genannt – ein gelungenes Debüt.

Die Langwaffenschützen starteten in den Kategorien Standard und Ordonnanz. 6 Schützen bilden eine Gruppe. Die beiden Einzelsiege holten sich Kaspar Knaus (Stadtschützen Thun)  mit dem Standardgewehr (74 Punkte) und Franz Plaz (SG Zofingen) mit dem Sturmgewehr 90 (67 Punkte). Beide wurden zum «Roi du Tir» ernannt. Mannschaftssieger wurden die Stadtschützen Thun mit 422 Punkten, vor den Stadtschützen Bern (403 Punkte) und den Standschützen Oberwinterthur (400 Punkte)

Einmaliges Ambiente im Salle des Rois

Einen Schützenverein, welcher ein eigenes Hotel besitzt, erlebt man auch nicht alle Tage. Per Bus wurden die Gäste zum Hotel Arquebuse in den «Salle des Rois» geführt. Neben edlen historischen Waffen an der Wand strotzen die Räumlichen von Pokalen, Bechern und weiteren wertvollen Auszeichnungen aus allen Epochen. Sämtliche Rütli-Becher stehen hier in chronologischer Reihe. Die jahrhundertlange Vereinsgeschichte von Exercices de l'Arquebuse et de la Navigation wird in allen Einzelheiten dargestellt – zur Freude jedes Schützen. Genau hundert Franken kostet das Arquebuse-Rundum-Paket (Stichgeld, Munition, Glühwein, Käse, Brot, Apéro, Mittagessen, Tranksame, Transport, etc.)  in Genf. Einmal dort angekommen, kann man den Geldbeutel getrost stecken lassen.

Der Schokoladentopf wartet darauf.... ....mit dem Schwert zerschlagen zu werden.

Im Salle de Rois war festlich aufgedeckt. Links und rechts an den Wänden befinden sich die handgemalten riesigen Portraits der bisherigen Präsidenten. Diese prächtige Ahnengalerie kann es mit jedem Schloss aufnehmen. Rassig und gekonnt spielte die eigene Brass Band auf. Kaum am Platz, wurden Köstlichkeiten aus Küche und Keller aufgefahren. Wie beim Wettkampf, klappte auch hier alles wie am Schnürchen. Schlussendlich folgten die obligaten Ansprachen und die Rangverkündigung mit der Verteilung der gravierten «Marmite», welche den damaligen Suppentopf von Mère Royaume symbolisieren. Nicht die rote Laterne, sondern einen «Marmite en chocolat» erhalten die Letztplatzierten jeder Kategorie  – eine ganz noble und gern gesehene Geste des Veranstalters. Den letzte Höhepunkt bildete das Zerschlagen des riesigen Schokoladentopfes (Marmite) vor versammelter Mannschaft mit dem Schwert. Diese Ehre stand dem ältesten und jüngsten Teilnehmer des Tir Commémoratif de L'Escalade zu. Im Anschluss daran wurden die feinen Bruchstücke im Saal verteilt und genüsslich von den anwesenden Schützen und Schützinnen vertilgt. (JK)

Auszug aus der Rangliste:
Pistole 50 Meter
. Einzelwertung: 1. Patrick Valentini (Arquebuse 4) 138; 2. Markus Aebischer (SG Liestal) 138 (Roi du tir); 3. Ernst Hirt (SG Liestal) 136; 4. Markus Rickli (Stadtschützen Thun) 135; 5. Phlippe Meylan (Société de tir Versoix 1) 134; 6. Bastien Rossi (Arquebuse Genève 2) 134; 7. Eric Chammartin (Servir Police) 133 (Total klassiert: 44 Schützen und Schützinnen).
Pistole 25 Meter. Einzelwertung: 1. Laurent Stritt Sportschützen Schmitten-Flamatt) 149 (Roi du tir); 2. Markus Schmid (SG Liestal) 148; 3. Albert Tauregg (Société de tir Versoix 1) 147; 4. Tom Huber (SV Kantonspolizei Zürich) 146; 5. James Kramer (SV Kantonspolizei Zürich) 146; 6. Peter Wagner (Stadtschützen Solothurn) 143; 7. Urs Schaffroth (SG Liestal) 142 (Total klassiert: 44 Schützen und Schützinnen). Pistole Gruppenwertung: 1. Schützengesellschaft Liestal 564; 2. SV Kantonspolizei Zürich) 548; 3. Sportschützen Schmitten-Flamatt 525; 4. Société de tir Versoix 1 518; 5. Arquebuse Genève 4 511 (Total klassiert: 22 Gruppen).
Gewehr 300 Meter. Einzelwertung Standard: 1. Kaspar Knaus (Stadtschützen Thun) 74 (Roi du tir); 2. Christof Carigiet (STS Oberwinterthur) 74; 3. Roger Koller (Stadtschützen Thun) 73; 4. Fritz Rohrbach (Stadtschützen Bern) 71; 5. Daniel Wick  (Stadtschützen Thun) 71; 6. Kurt Ochsner (STS Oberwinterthur) 71; 7. Markus Kübli (Feldwaffen-Verein Solothurn) 71 (Total klassiert: 40 Schützen und Schützinnen). Einzelwertung Ordonnanz: 1. Franz Plaz (SG Zofingen) 67 (Roi du tir); 2. Walter Siegenthaler (Stadtschützen Bern) 66; 3. Stefan Mühlemann (SG Zofingen) 66; 4. Erich May (Rütlischützen SG Beckenried) 66; 5. Jean-Claude Michela (Arquebuse Genève) 63; 6. Rolf Buser (Stadtschützen Olten) 61; 7. Michael Seiler (Arquebuse Genève) 61 (Total klassiert: 73 Schützen und Schützinnen). Gruppenwertung Gewehr: 1. Stadtschützen Thun 422; 2. Stadtschützen Bern 403; 3. STS Winterthur 400; 4. TS Chavannes-Ecublens 379; 5. Feldwaffen-Verein Solothurn 370 (Total klassiert: 17 Gruppen). 

SSV-Partner

 

 

Member
Swiss Olympic ISSF
SCHWEIZER SCHIESSSPORTVERBAND SSV
Lidostrasse 6
6006 Luzern
Tel.: 041 / 370 82 06
Fax : 041 / 370 57 17
info@swissshooting.ch